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Einwanderung von Pflegekräften: Massive Subventionierung als tragende Säule?


Das riskante Spiel mit der fremden Kasse

Stellen Sie sich vor, Sie führen ein mittelständisches Unternehmen im Maschinenbau oder Handwerk. Sie benötigen dringend Fachkräfte, blicken über die Grenzen Europas hinaus und kalkulieren die Kosten: Sprachkurse, Visa-Gebühren, Reisekosten, Integrationsmaßnahmen und die langwierige Berufsanerkennung. Jeder Cent, den Sie investieren, muss erwirtschaftet werden. Wenn die Fachkraft nicht passt oder die Qualifikation nicht ausreicht, tragen Sie das volle unternehmerische Risiko. Doch während Sie jeden Euro dreimal umdrehen, existiert in Deutschland eine Branche, die in einer völlig anderen wirtschaftlichen Realität operiert. In der Pflegebranche scheint das Geld für die Rekrutierung ausländischer Talente beinahe magisch aus einem unerschöpflichen Topf zu fließen. Doch dieser Luxus ist kein Zeichen von Mut oder Weitsicht, sondern das Ergebnis eines Systems, das die Verantwortung externalisiert.


Die Illusion des risikolosen Geschäfts

Der Grund für diese Diskrepanz findet sich tief im Paragrafendschungel des Pflegeberufegesetzes. Die §§ 26 ff. regeln dort eine bundeseinheitliche Refinanzierung, die man fast als „Rundum-sorglos-Paket“ bezeichnen könnte. Über länderspezifische Ausbildungsfonds werden die Kosten der Ausbildung sowie die Mehrkosten der Vergütungen schlicht erstattet. Was bedeutet das in der Praxis? Wenn ein Pflegeträger Fachkräfte oder Azubis im Ausland anwirbt, trägt er die damit verbundenen Kosten oft nicht selbst. Die Zeche zahlt die Allgemeinheit über Umlageverfahren. Für den einzelnen Arbeitgeber in der Pflege ist die Rekrutierung damit oft ein nahezu risikoloses Geschäft. Wenn die Kosten per Umlage pauschal von allen getragen werden, sinkt zwangsläufig der Druck, die Effizienz und vor allem die nachhaltige Qualität der Ausbildung im Ausland kritisch zu hinterfragen. Es ist eine betriebswirtschaftliche Binsenweisheit: Wenn ein anderer zahlt, wird erst dann verantwortungsvoll mit den Mitteln umgegangen, wenn die Kassen leer sind. Und genau an diesem Punkt befinden wir uns jetzt. Zahlreiche staatliche und halbstaatliche Projekte mit fragwürdiger Effektivität bestätigen diesen Befund.


Betriebswirtschaft statt staatlicher Vollkasko

Im krassen Gegensatz dazu steht die restliche deutsche Wirtschaft. Vom IT-Sektor bis zum Baugewerbe müssen Arbeitgeber den Benefit einer Auslandsrekrutierung sehr genau kalkulieren. Hier gibt es keine Ausbildungsfonds, die einspringen, wenn ein Projekt zur Fachkräftegewinnung scheitert. Das hat nichts mit mangelndem Mut zu tun, sondern ist schlichte Betriebswirtschaft. Ein Unternehmer muss sicherstellen, dass die Person, die er aus Indien, Brasilien oder Vietnam nach Deutschland holt, auch tatsächlich über die fachliche Kompetenz verfügt, die sein Betrieb benötigt. Während die Pflegebranche sich lange Zeit auf dem Polster der Refinanzierung ausruhen konnte, ist der Rest der Wirtschaft gezwungen, Qualität zum Maßstab zu machen. Dieser Fokus auf die Bildungsqualität im Herkunftsland ist kein Hindernis, sondern eine notwendige Versicherung gegen Fehlentscheidungen. Es ist daher nur folgerichtig, dass nun auch die Politik erkennt, dass die bloße Quantität an Köpfen nicht ausreicht.


Die Wende zur Qualität: Beispiel Indien

Interessanterweise sehen wir gerade jetzt eine Bewegung, die zeigt, dass das System der „Gießkannen-Finanzierung“ an seine Grenzen stößt. Die jüngsten bilateralen Erklärungen zwischen Deutschland und Indien im Bereich der Pflege signalisieren ein Umdenken. Die Regierungschefs nehmen nun die Berufsanerkennung und die qualitative Ausbildung im Ausland direkt in den Fokus. Man erkennt, dass es nicht reicht, Menschen einfach nur herbeizuschaffen; die fachliche Basis muss bereits im Herkunftsland nach deutschen Standards gelegt oder zumindest valide geprüft werden. Für uns als Rechtsanwälte und Berater ist das ein entscheidendes Signal: Die Ära, in der man sich auf staatliche Umlagesysteme verlassen konnte, ohne die Bildungsqualität im Ausland zu kontrollieren, neigt sich dem Ende zu. Wir müssen die Bildungsqualität im Ausland für Deutschland zentral in den Fokus rücken, um die Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe zu sichern.


Warum Bildungsqualität der beste Rechtsschutz ist

Wenn wir über Fachkräfteeinwanderung sprechen, dürfen wir nicht nur über Visa-Prozesse reden. Wir müssen über die Validität von Abschlüssen und die tatsächliche Einsatzfähigkeit sprechen. Ein Unternehmen, das heute in eine Fachkraft investiert, muss sicher sein können, dass die Qualifikation hält, was das Papier verspricht. Das Umlagemodell der Pflege hat hier eine gefährliche Sorglosigkeit gefördert, von der die restliche Wirtschaft nur träumen kann – die sie sich aber eigentlich gar nicht wünschen sollte. Denn echte wirtschaftliche Stabilität entsteht nicht durch Subventionen, sondern durch exzellente Köpfe. Wir müssen Systeme schaffen, die bereits im Ausland ansetzen und sicherstellen, dass die Ausbildung dort eine Qualität erreicht, die eine reibungslose Anerkennung in Deutschland ermöglicht. Das reduziert nicht nur rechtliche Risiken bei der Visumserteilung, sondern sichert vor allem den langfristigen Erfolg der Integration im Betrieb.


Fazit: Verantwortung als Standortvorteil

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Erfolgsmodell der Pflege bei der Auslandsrekrutierung auf einem tönernen Fundament steht, solange es rein auf der Umverteilung von Kosten basiert. Die deutsche Wirtschaft kann und wird sich diesen Luxus nicht leisten können. Doch darin liegt auch eine Chance: Wer gezwungen ist, seine Kosten selbst zu tragen, achtet genauer auf die Qualität. Wir müssen weg von der reinen Mengenbetrachtung und hin zu einer qualitätsgetriebenen Zuwanderungspolitik. Nur wenn wir die Bildungsqualität im Ausland ernst nehmen und diese als zentralen Baustein der Fachkräftestrategie begreifen, werden wir den Standort Deutschland nachhaltig sichern. Es ist Zeit, dass wir die Professionalität der freien Wirtschaft auf alle Branchen übertragen und Qualität zum Standard machen – unabhängig davon, wer am Ende die Rechnung bezahlt.


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