#Behördenperspektive: Katrin Boufflé (Ausländerbehörde Potsdam) sieht Personalmangel als größtes Problem der Ausländerbehörden
- Mirko Vorreuter, LL.B.

- vor 2 Stunden
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In der Serie “Perspektive der Ausländerbehörde (#Behördenperspektive)” lassen wir die Ausländerbehörde zu Wort kommen. Denn oftmals herrscht im Migrationsrecht die Auffassung, dass Behörden rechtswidrig und fehlerhaft handeln aufgrund von persönlichen Motiven, rassistischen Vorurteilen oder schlecht wegen Willkür. In der Praxis kommen diese Fälle zwar durchaus vor, allerdings wird dabei oft übersehen, dass dies kein Strukturproblem sein muss und mit welchen Herausforderungen Ausländerbehörden zu kämpfen haben. Wenig Budget, Schwierigkeiten bei der Personalsuche, häufige Gesetzesänderungen und eine sehr widerstandsfähige Anwaltschaft erschweren den Ausländerbehörden ihre Tätigkeit immens. Die hieraus entstehenden Konflikte und Probleme müssen nicht zwingend immer in der Verantwortung der Ausländerbehörde liegen.
Mit der Serie “Perspektive der Ausländerbehörde” wollen wir die praktischen Herausforderungen des Verwaltungsrechts beleuchten, um so zur Konstruktivität des öffentlichen Diskurses beizutragen. In der vierten Folge der Reihe „Perspektive der Ausländerbehörde“ widmen wir uns in einer Rezension den zentralen Aussagen, die Katrin Boufflé von der Ausländerbehörde Potsdam im Podcast von Stephanie Tonn namens “Verwaltung wirkt” getroffen hat (Folge 4: “Nerven wie Drahtseile”). Der Austausch zwischen beiden beleuchtet die tägliche Realität der deutschen Migrationsverwaltung und Ausländerbehörde in Potsdam – inklusive der Herausforderungen, strukturellen Defizite und Chancen, die insbesondere für internationale Fachkräfte und Unternehmen von höchster Relevanz sind.
Arbeitsalltag bei der Ausländerbehörde Potsdam
Der vorliegende Beitrag beleuchtet das ausführliche Gespräch zwischen Stephanie Tonn und Katrin Boufflé, ehemalige Mitarbeiterin des Migrationsamts Potsdam (Ausländerbehörde Potsdam). Daraus ergibt sich ein klarer Befund: Personalmangel, Überlastung und veraltete Strukturen sind die Hauptgründe für langsame Verfahren, lange Wartezeiten und den teils schlechten Ruf vieler Ausländerbehörden.
Zu Beginn des Gesprächs beschreibt Katrin Boufflé ihren Weg in die Ausländerbehörde Potsdam, wo sie im Frontoffice arbeitete. Dort finden täglich die persönlichen Kontakte mit Menschen aus aller Welt statt – häufig unter großem Zeitdruck. Die Sprechzeiten beginnen in Potsdam traditionell um 9 Uhr, dienstags bis 18 Uhr und donnerstags bis 16 Uhr. Schon vor Öffnung des Hauses bereitet das Team im Frontoffice Pagergeräte, Dokumente, Kassensysteme und interne Abstimmungen mit dem Wachschutz vor. Die beschriebenen Abläufe zeigen eindrücklich, wie komplex die Organisation im Frontbereich der Ausländerbehörde Potsdam ist: Die Mitarbeitenden müssen gleichzeitig Terminkundschaft, Laufkundschaft ohne Termin, Dokumentenausgaben und Zahlungsprozesse bewältigen. Dies kann schnell zu Stresssituationen führen.
#Behördenperspektive - Personalprobleme als Kernproblem in Potsdam
Die wichtigste Botschaft des Gesprächs ist eindeutig: Struktureller Personalmangel ist die Kernursache für fast alle Probleme. Im Migrationsamt Potsdam bedeuten Krankheitsausfälle oder Urlaub sofortige Instabilität der Prozesse. Wartezeiten verlängern sich stark, Terminvergaben verschieben sich um Monate, Frustration entsteht bei Antragstellenden wie Mitarbeitenden. Gerade im Frontoffice sei die Diskrepanz zwischen Erwartungen der Menschen und der realen Kapazität besonders spürbar. Boufflé betont, dass viele Beschwerden – etwa über fehlende Erreichbarkeit oder langsame Bearbeitung – auf objektive Ressourcenknappheit zurückzuführen sind.
Boufflé betont, dass eine gründliche Einarbeitung und stabile Teams im Migrationsamt Potsdam entscheidend für effiziente Abläufe sind, da hoher Wissensverlust durch ständige Fluktuation die Bearbeitungszeiten verlängert und das Außenbild verschlechtert. Ihren eigenen Weggang erklärt sie mit fehlender Familienfreundlichkeit – langen Sprechzeiten, strikten Präsenzpflichten und erheblichem Arbeitsweg –, was die grundlegende Frage aufwirft, wie Ausländerbehörden ihre Arbeitsmodelle modernisieren müssen, um qualifiziertes Personal zu halten. Ihre Vorschläge reichen von Homeoffice über digitale Beratungsformate bis hin zu flexiblen Schichtsystemen und Teilzeit-Sprechzeiten und besitzen Bedeutung weit über das Migrationsamt Potsdam hinaus.
Technische Ausstattung der Ausländerbehörde Potsdam als Gegenmittel zum Personalmangel
Eine zentrale Lösungsidee der Gesprächspartnerinnen betrifft die digitale Modernisierung der Behörden. Boufflé schildert ausführlich technische Probleme im Migrationsamt Potsdam – darunter veraltete Pagergeräte und fehlende Aufrufanlagen. Ihr Wunsch: Moderne Aufrufsysteme, digitale Vorfilterung der Anliegen, Social Media für Transparenz sowie virtuelle Sprechstunden. Sie berichtet, dass andere städtische Bereiche bereits über funktionierende Aufrufanlagen verfügen. Die Übernahme solcher Systeme in die Ausländerbehörde Potsdam könnte Wartezeiten reduzieren, Anliegen sortieren und interne Abläufe erheblich verbessern. Diese Sichtweise verdeutlicht, dass technische Modernisierung ein zentraler Baustein für bessere Verwaltungsergebnisse ist.
Fazit Meinung Ausländerbehörde Potsdam
Im Gespräch wird deutlich, dass die Ausländerbehörde Potsdam wie viele Behörden mit hartnäckigen Vorurteilen konfrontiert ist: unfreundliche Mitarbeitende, Machtgefälle, fehlende Empathie. Boufflé schildert jedoch das Gegenteil: Kolleginnen und Kollegen im Migrationsamt Potsdam hätten überraschend viel Mitgefühl gezeigt. Viele bemühten sich, gerade unter Stress, dennoch lösungsorientiert zu arbeiten. Gleichzeitig räumt sie ein, dass es aufgrund von Überlastung zu einzelnen unfreundlichen Situationen kommt – nicht aus Absicht, sondern aus schierer Arbeitsdichte.
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