Fall der japanischen Kirchenmusikerin Mizuki Ikeya aus Stuttgart
- Mirko Vorreuter, LL.B.

- vor 4 Stunden
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Der Fall der japanischen Kirchenmusikerin Mizuki Ikeya aus Stuttgart hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt – und zeigt eindrücklich, wie groß die Unsicherheiten rund um Aufenthaltstitel in Deutschland sind. Obwohl sie über Jahre hinweg eine Fiktionsbescheinigung erhielt und in einer Kirchengemeinde arbeitete, verlor sie ihre Stelle, weil ihr Arbeitgeber irrtümlich davon ausging, sie dürfe nicht mehr beschäftigt werden. Tatsächlich lag ein Arbeitsrecht vor, doch fehlende Klarheit, lange Bearbeitungszeiten und unübersichtliche Nebenbestimmungen führten zu gravierenden Folgen – für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen.
Unklare Rechtslage schafft Unsicherheit für Arbeitgeber
Das Beispiel verdeutlicht ein Kernproblem: Arbeitgeber haben im Alltag kaum verlässliche Möglichkeiten, schnell zu prüfen, ob ein Aufenthaltsstatus mit einer Arbeitserlaubnis verbunden ist, obwohl Arbeitgeber zu einer entsprechenden Prüfung gemäß § 4a AufenthG verpflichtet sind. Fiktionsbescheinigungen sind schwer verständlich, Merkblätter lückenhaft und Antworten von Ausländerbehörden lassen oft Wochen auf sich warten. Die Folge: unbezahlte Freistellungen, Kündigungen und ein hohes Maß an Rechtsunsicherheit. Gerade in Zeiten, in denen Deutschland dringend auf Fachkräfte angewiesen ist, ist das ein unhaltbarer Zustand.
Digitale Systeme als Vorbild
Andere Länder haben längst digitale Lösungen eingeführt. Im Vereinigten Königreich können Arbeitgeber mit dem sogenannten eVisa per Share Code online sofort prüfen, ob eine Person arbeiten darf. Australien (VEVO) und Neuseeland (VisaView) setzen auf vergleichbare Systeme. Diese Modelle schaffen Klarheit, entlasten die Behörden und geben Unternehmen die Planungssicherheit, die sie dringend benötigen.
Fazit: Deutschland braucht ein digitales Aufenthaltsregister
Ein digitales System für die Überprüfung des Aufenthalts- und Arbeitsstatus ist in Deutschland längst überfällig. Es würde Rechtsklarheit für Arbeitgeber schaffen, Migrantinnen und Migranten vor unnötigen Härten schützen und die Ausländerbehörden spürbar entlasten. Fälle wie der von Mizuki Ikeya dürfen sich nicht wiederholen. Wenn Deutschland im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte bestehen will, muss die Digitalisierung auch im Aufenthaltsrecht endlich Realität werden.



