Neue Regeln zur Gehaltstransparenz ab 2026: Was bedeutet das für internationale Fachkräfte?
- Mirko Vorreuter, LL.B.

- 28. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Ab 2026 tritt in Deutschland eine wichtige Neuerung in Kraft: Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verpflichtet Arbeitgeber, Gehaltsspannen offenzulegen und klare Informationen zu Vergütungen bereitzustellen. Für Bewerberinnen und Bewerber bedeutet das: Schon vor oder spätestens im Bewerbungsprozess haben sie Anspruch auf Auskunft über die vorgesehene Gehaltsspanne für eine ausgeschriebene Stelle. Auch bestehende Mitarbeitende können künftig eine transparente Information zu ihrer Bezahlung einfordern. Wenn Unterschiede von mehr als fünf Prozent auftreten, müssen Arbeitgeber diese erklären oder beseitigen. Damit verändert sich der Arbeitsmarkt grundlegend – vor allem für Menschen, die neu nach Deutschland kommen und bislang oft im Nachteil waren, weil ihnen Vergleichsmöglichkeiten gefehlt haben.
Für internationale Fachkräfte ist das ein großer Schritt in Richtung Fairness. Bisher war es für viele Migrantinnen und Migranten schwer einzuschätzen, ob ihr Gehaltsangebot dem deutschen Standard entspricht. Kulturelle Unterschiede im Umgang mit Gehaltsverhandlungen und fehlende Erfahrungswerte in Deutschland führten häufig dazu, dass Einwandernde schlechtere Konditionen akzeptierten. Mit den neuen Regeln gibt es verbindliche Transparenz – und damit eine stärkere Verhandlungsbasis.
Chancen und Herausforderungen für Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland
Eine repräsentative Befragung von mehr als 1.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zeigt: Zwei Drittel wünschen sich mehr Transparenz beim Thema Gehalt, und jeder Fünfte weiß nicht, wie man eine Gehaltserhöhung verhandelt. Besonders für Fachkräfte aus dem Ausland ist dieser Befund relevant. Denn während in manchen Ländern offen über Gehälter gesprochen wird, gilt in Deutschland traditionell Zurückhaltung. Die Richtlinie bricht dieses Schweigen und stellt sicher, dass Bewerbende nicht mehr „im Dunkeln“ verhandeln müssen.
Gleichzeitig bedeutet das: Wer in Deutschland arbeiten möchte, sollte sich gut darauf vorbereiten, wie man Gehaltsinformationen interpretiert und nutzt. Eine Gehaltsspanne gibt Orientierung, zeigt aber auch, wie sehr Qualifikationen, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse den Verdienst beeinflussen können. Wer hier gut vorbereitet ist, kann seine Chancen deutlich verbessern. Für Migrantinnen und Migranten, die ihre Karriere in Deutschland starten wollen, schafft die Transparenz also nicht nur Sicherheit, sondern auch eine neue Verantwortung: den eigenen Marktwert realistisch einzuschätzen und im Bewerbungsprozess selbstbewusst aufzutreten.
Auswirkungen auf Unternehmen und den Wettbewerb um internationale Talente
Auch für Arbeitgeber in Deutschland wird die neue Regelung weitreichende Folgen haben. Alle Unternehmen – unabhängig von Größe oder Branche – müssen sich auf klare Gehaltsangaben einstellen. Ungerechtfertigte Unterschiede, etwa zwischen Männern und Frauen oder zwischen deutschen und ausländischen Mitarbeitenden, werden sich schwerer verbergen lassen. Gerade in internationalen Teams wird das zu einer stärkeren Vergleichbarkeit führen. Für Bewerberinnen und Bewerber aus Drittstaaten, die über Programme wie das Fachkräfteeinwanderungsgesetz nach Deutschland kommen, ist das ein großer Vorteil: Sie können sicher sein, nach denselben Kriterien wie deutsche Kolleginnen und Kollegen beurteilt zu werden.
Für internationale Fachkräfte eröffnet das neue Transparenzgebot damit auch strategische Chancen. Unternehmen, die im globalen Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte bestehen wollen, werden attraktive und faire Gehaltsmodelle anbieten müssen. Wer nach Deutschland einwandert, darf also mit einer gerechteren und nachvollziehbareren Vergütung rechnen. Gleichzeitig wird Gehaltstransparenz zu einem wichtigen Standortfaktor: Länder, die faire Bezahlung aktiv durchsetzen, sind für Fachkräfte weltweit interessanter. Deutschland positioniert sich hier klar als moderner und offener Arbeitsmarkt.
Fazit zur neuen Entgelttransparenz für ausländische Fachkräfte
Ab 2026 verändert die EU-Entgelttransparenzrichtlinie den deutschen Arbeitsmarkt grundlegend. Für internationale Fachkräfte schafft sie faire Bedingungen, mehr Klarheit und bessere Chancen bei Gehaltsverhandlungen. Wer plant, nach Deutschland zu kommen, sollte sich frühzeitig mit den neuen Regeln vertraut machen – denn Transparenz ist nicht nur ein Schutz, sondern auch ein Schlüssel für erfolgreiche Karrieren im Ausland.



