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Chancenkarte laut Visaatlas beliebtestes Visum 2026

vor 6 Minuten
3 Min. Lesezeit

Die deutsche Chancenkarte entwickelt sich international zu einem der sichtbarsten Instrumente der Fachkräfteeinwanderung. Neue Auswertungen von VisaAtlas aus dem September 2026 zeigen, wie groß das internationale Interesse inzwischen ist.

Nach Angaben von VisaAtlas war die deutsche Chancenkarte im Jahr 2026 der meistaufgerufene einzelne Visa-Guide der Plattform. Ausgewertet wurde dabei der Zeitraum vom 1. Januar bis zum 16. September 2026.


Der Guide zur deutschen Chancenkarte verzeichnete demnach sogar 58 Prozent mehr Aufrufe als der zweitplatzierte Guide, der sich mit dem saudi-arabischen Arbeitsvisum und der Iqama beschäftigte. Auf Platz drei der ausgewerteten Guides folgte wiederum Deutschland mit dem Skilled Worker Visa.


Was sagt dieses Ranking tatsächlich aus?

Bei der Interpretation der Zahlen ist allerdings Vorsicht geboten.

Die Statistik misst die Aufrufe von Visa-Guides auf VisaAtlas.org. Es handelt sich weder um eine weltweite Statistik sämtlicher Visumanträge noch um einen Beleg dafür, dass die Chancenkarte weltweit das am häufigsten beantragte Arbeitsvisum ist.


Trotzdem sind die Zahlen bemerkenswert. Sie zeigen, für welche Einwanderungsprogramme sich potentielle Migranten bei ihrer Recherche besonders stark interessieren.

Deutschland ist dabei auffällig präsent. Unter den besonders häufig aufgerufenen Visa-Guides befinden sich neben der Chancenkarte auch das deutsche Skilled Worker Visa, die Blaue Karte EU und Möglichkeiten für Freelancer.


Warum ist die Chancenkarte international so interessant?

Der Grundgedanke der Chancenkarte ist vergleichsweise einfach: Qualifizierte Personen sollen nach Deutschland kommen können, um vor Ort einen Arbeitsplatz zu suchen, ohne bereits vor der Einreise einen deutschen Arbeitsvertrag besitzen zu müssen.

Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu vielen klassischen Aufenthaltstiteln zur Beschäftigung.


Denn bei der internationalen Fachkräfteeinwanderung besteht häufig ein praktisches Problem: Deutsche Arbeitgeber möchten Bewerber zunächst kennenlernen oder erwarten, dass sich diese bereits in Deutschland befinden. Gleichzeitig benötigen ausländische Bewerber für klassische Beschäftigungstitel grundsätzlich bereits ein konkretes Arbeitsplatzangebot.


Die Chancenkarte soll diese Lücke schließen.


Wie funktioniert die Chancenkarte?

Die gesetzlichen Voraussetzungen finden sich insbesondere in § 20a AufenthG.

Grundsätzlich bestehen unterschiedliche Zugangswege. Wer bereits als Fachkraft im Sinne des Aufenthaltsgesetzes gilt, kann unter erleichterten Voraussetzungen Zugang zur Chancenkarte erhalten. Daneben existiert das bekannte Punktesystem, bei dem unter anderem Qualifikation, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse, Alter und Deutschlandbezug berücksichtigt werden können.


Zusätzlich müssen weitere Voraussetzungen erfüllt werden. Insbesondere muss grundsätzlich die Sicherung des Lebensunterhalts während der Arbeitsplatzsuche gewährleistet sein.


Die Chancenkarte ist deshalb kein „Visum für jeden“. Sie schafft aber für bestimmte qualifizierte Personen einen eigenständigen Weg nach Deutschland, ohne dass bereits vor der Einreise ein konkreter deutscher Arbeitgeber gefunden werden muss.


Auch die tatsächlichen Visaerteilungen zeigen erhebliches Interesse

Das internationale Online-Interesse ist nicht rein theoretisch.

Nach offiziellen Angaben des Portals „Make it in Germany“ wurden zwischen dem Start der Chancenkarte am 1. Juni 2024 und dem 15. Juni 2025 insgesamt 11.497 Visa auf Grundlage der Chancenkarte erteilt.


Mit Abstand an der Spitze stand Indien mit 3.721 erteilten Visa, gefolgt von China mit 807 und der Türkei mit 654.


Gleichzeitig blieb die tatsächliche Zahl zunächst unter den ursprünglich angenommenen Größenordnungen. Das zeigt einen interessanten Unterschied: Die Chancenkarte genießt international enorme Aufmerksamkeit, die Zahl der tatsächlich erteilten Visa ist jedoch deutlich kleiner als die Zahl der Menschen, die sich offenbar für das Programm interessieren.


Deutschland ist international besonders sichtbar

Bemerkenswert ist deshalb nicht nur die Position der Chancenkarte selbst.

Auch andere deutsche Einwanderungsmöglichkeiten erreichen bei internationalen Interessenten eine hohe Sichtbarkeit. Deutschland scheint damit im internationalen Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte zumindest bei der Aufmerksamkeit potentieller Migranten eine starke Position erreicht zu haben.


Gerade die Chancenkarte hat dabei einen Vorteil: Das Konzept lässt sich international leicht vermitteln.


„Come to Germany and look for a job“ ist eine deutlich einfachere Botschaft als die komplexen Voraussetzungen vieler klassischer deutscher Aufenthaltstitel.

Ob die Chancenkarte langfristig auch bei den tatsächlichen Einwanderungszahlen eine vergleichbare Bedeutung erreichen wird, bleibt abzuwarten. Die aktuellen Daten zeigen aber bereits jetzt: International ist die Chancenkarte zu einem der sichtbarsten Produkte des deutschen Einwanderungsrechts geworden.


VISAGUARD berät internationale Fachkräfte zur Chancenkarte sowie zu alternativen Möglichkeiten wie der Blauen Karte EU und anderen Aufenthaltstiteln zur Beschäftigung in Deutschland.


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