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Bestandsaufnahme: Migrant Gender Pay Gap in Berlin


Berlin ist das pulsierende Herz der deutschen Wirtschaft und ein Magnet für Talente aus der ganzen Welt. Doch hinter der glänzenden Fassade der Start-up-Metropole und der geschäftigen Industrie verbirgt sich eine bittere Realität, die oft erst beim Blick auf die Gehaltsabrechnung sichtbar wird. Während wir die Vielfalt unserer Stadt feiern, offenbaren aktuelle Daten eine tiefe Kluft: Der sogenannte Migrant Gender Pay Gap (MGPG) zeigt, dass Herkunft und Geschlecht noch immer entscheiden, was am Ende des Monats auf dem Konto landet. Es stellt sich die dringende Frage, warum ausgerechnet jene Fachkräfte, die unsere Wirtschaft am Laufen halten, systematisch benachteiligt werden.


Die Anatomie der Lohnungleichheit

Die statistischen Fakten sind ernüchternd und verdeutlichen eine doppelte Hürde für betroffene Arbeitnehmerinnen. Generell verdienen Frauen in Deutschland bereits 18 % weniger als ihre männlichen Kollegen, doch für Frauen mit Migrationsbiografie verschärft sich diese Situation massiv. Sie erhalten oft deutlich niedrigere Gehälter als deutsche Angestellte, selbst wenn sie über vergleichbare Qualifikationen und Berufserfahrungen verfügen. Besonders betroffen von dieser Lohnschere sind Frauen aus Drittstaaten sowie aus den Ländern der EU-Osterweiterung. Diese Diskrepanz ist nicht nur eine soziale Ungerechtigkeit, sondern weist auf tief verwurzelte strukturelle Probleme in unserem Arbeitsmarkt hin.


Ein Branchenvergleich: Wo die Lücke am tiefsten klafft

Ein genauer Blick auf verschiedene Wirtschaftssektoren zeigt, dass die Entgeltlücke stark variiert. In der Reinigungsbranche verdienen migrantische Frauen im Median bis zu 8 % weniger als deutsche Männer, während sie in Berufen wie der Bauplanung und Architektur sogar mit Einbußen von bis zu 10 % bei gleicher Qualifikation rechnen müssen. Auch im Pflegebereich sind Unterschiede messbar, wenngleich diese hier weniger stark ausgeprägt sind als in anderen Sektoren. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet die IT-Branche: Durch den hohen internationalen Wettbewerbsdruck erzielen nicht-deutsche Frauen hier teilweise sogar höhere Gehälter als deutsche Männer – ein Zeichen dafür, dass globale Vernetzung faire Entlohnung fördern kann.


Strukturelle Hürden und rechtliche Barrieren

Die Ursachen für diese Benachteiligung sind komplex und liegen oft in einer Kombination aus Herkunft und Geschlecht begründet. Ein zentrales Hindernis bleibt die mangelnde Anerkennung ausländischer Abschlüsse, die dazu führt, dass hochqualifizierte Fachkräfte weit unter ihrem eigentlichen Niveau arbeiten müssen (insbesondere im medizinischen Bereich). Hinzu kommen bürokratische Hürden und eine schlechtere Vernetzung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Aus rechtlicher und gesellschaftlicher Sicht ist es unumgänglich, diese bürokratischen Barrieren abzubauen, Tarifverträge in Niedriglohnsektoren zu stärken und Unternehmen für faire Gehaltsstrukturen zu sensibilisieren.


Fazit: Gerechtigkeit als wirtschaftliche Notwendigkeit

Der Migrant Gender Pay Gap ist kein reines Frauenthema und auch kein reines Migrationsthema – es ist eine wirtschaftliche Herausforderung für ganz Berlin. Unsere Stadt ist auf internationale Fachkräfte angewiesen, doch echte Integration kann nur gelingen, wenn Arbeit auch fair und unabhängig von der Herkunft bezahlt wird. Nur durch gezielte Förderung, eine vereinfachte Anerkennung von Qualifikationen und transparente Entlohnungsmodelle schaffen wir einen Arbeitsmarkt, der langfristig stabil und inklusiv bleibt.

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