top of page

Expats aufgepasst: So vermeidet ihr Scams bei der Wohnungssuche


Die Zusage für das Visum ist greifbar, die Koffer sind gedanklich schon gepackt, und der Blick richtet sich voller Vorfreude auf den neuen Lebensmittelpunkt in Deutschland. Doch kaum beginnt die Recherche nach einer passenden Unterkunft in Metropolen wie Berlin oder München, folgt oft die Ernüchterung. Der deutsche Wohnungsmarkt ist angespannt, und genau diese Notlage machen sich kriminelle Akteure zunutze. Was wie das perfekte Schnäppchen klingt, entpuppt sich nicht selten als professionell inszenierte Falle, die nicht nur die Ersparnisse, sondern auch den Erfolg des gesamten Visumverfahrens gefährden kann. Als Anwaltskanzlei für Migrationsrecht erleben wir immer wieder, wie Mandanten kurz vor ihrem Umzug Opfer von betrügerischen Machenschaften werden. In diesem Beitrag beleuchten wir die rechtlichen Fallstricke und geben Ihnen das notwendige Rüstzeug an die Hand, um sicher durch den Dschungel der Immobilienanzeigen zu navigieren.


Die Masche mit der Abwesenheit: Der „Landlord Abroad“-Trick

Eine der am weitesten verbreiteten Methoden ist die Geschichte des Vermieters, der sich angeblich gerade im Ausland befindet. Die Kommunikation verläuft meist reibungslos und überaus freundlich, doch sobald es um die Besichtigung geht, wird eine Hürde aufgebaut: Da der Eigentümer nicht vor Ort sei, könne man die Schlüssel erst nach einer Vorabüberweisung der Kaution per Post zusenden. Wir warnen eindringlich vor solchen Forderungen. Aus rechtlicher Sicht ist die Kaution gemäß § 551 BGB erst zu Beginn des Mietverhältnisses fällig, wobei dem Mieter sogar das Recht zusteht, diese in drei Teilleistungen zu erbringen. Wer Geld überweist, ohne die Wohnung jemals von innen gesehen oder einen verifizierten Mietvertrag unterschrieben zu haben, sieht diesen Betrag in der Regel nie wieder. Ein seriöser Vermieter wird niemals eine Zahlung verlangen, bevor ein rechtskräftiger Vertrag vorliegt und eine persönliche oder durch Vertreter erfolgte Übergabe stattgefunden hat.


Wenn die Mathematik versagt: Zu gut, um wahr zu sein

In Städten wie München ist Wohnraum ein rares Gut, was sich unmittelbar in den Mietpreisen widerspiegelt. Wenn Ihnen eine 120 Quadratmeter große Wohnung im Zentrum für eine Warmmiete von 500 Euro angeboten wird, sollten sämtliche Alarmglocken schrillen. Solche Inserate dienen lediglich als Köder, um verzweifelte Wohnungssuchende in ein Gespräch zu verwickeln. Wir raten dringend dazu, vorab den örtlichen Mietspiegel zu prüfen und den Preis pro Quadratmeter mit den marktüblichen Werten auf etablierten Plattformen zu vergleichen. Ein Preis, der massiv unter dem Durchschnitt liegt, ist in der Realität fast immer ein Indiz für versuchten Betrug. Denken Sie daran: Ein Mietvertrag ist ein gegenseitiger Vertrag, bei dem Leistung und Gegenleistung in einem angemessenen Verhältnis stehen müssen; unrealistische Angebote sind juristisch oft als Wucher oder schlichte Täuschung einzustufen.


Identitätsdiebstahl: Ihre Daten als Werkzeug für Kriminelle

Ein oft unterschätztes Risiko bei der Wohnungssuche ist der Missbrauch persönlicher Dokumente. Scammer fordern potenzielle Mieter frühzeitig dazu auf, sensible Unterlagen wie den Personalausweis, Gehaltsnachweise oder Bankdaten hochzuladen. Diese Informationen werden jedoch nicht für eine Bonitätsprüfung genutzt, sondern entwendet, um unter Ihrem Namen weitere Betrügereien zu begehen. Wir empfehlen daher eine restriktive Herausgabe von Daten. Bevor Sie Kopien Ihrer Ausweisdokumente versenden, sollten Sie diese unbedingt mit einem Wasserzeichen versehen (z.B. „Nur für Wohnungsbewerbung bei XY“) und nicht benötigte Informationen schwärzen. Der Schutz Ihrer Identität ist essentiell, da ein Missbrauch Ihrer Daten weitreichende rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann, die weit über den Verlust einer Wohnung hinausgehen.


Die Möbelfalle: Überteuertes Inventar als versteckte Kosten

Nicht jeder Betrug ist so offensichtlich wie eine gefälschte Anzeige. Manchmal existiert die Wohnung tatsächlich, doch der Vermieter versucht, überhöhte Forderungen für die Übernahme von Möbeln durchzusetzen. Oft wird behauptet, die „Vintage-Küche“ sei 3.000 Euro extra wert, obwohl sie technisch veraltet und kaum noch funktionsfähig ist. Hier setzt das Wirtschaftsstrafgesetz (WiStG) klare Grenzen. Nach geltender Rechtsprechung darf eine Ablösevereinbarung nicht in einem auffälligen Missverhältnis zum Wert der Gegenstände stehen. Als Faustformel gilt, dass der Preis maximal 150 % des Zeitwerts betragen darf. Niemand kann Sie rechtlich dazu zwingen, völlig überteuertes Mobiliar zu übernehmen, nur um den Zuschlag für eine Wohnung zu erhalten. Solche Kopplungsgeschäfte sind rechtlich angreifbar.


Emotionale Manipulation: Die Legende vom vertrauenswürdigen Mieter

Betrüger nutzen oft komplexe, emotionale Geschichten, um eine Vertrauensbasis aufzubauen. Da ist die Rede von verstorbenen Verwandten oder komplizierten familiären Umständen, weshalb man unbedingt eine „besonders vertrauenswürdige Person“ als Mieter suche. Wir raten zur Skepsis: Je detaillierter und emotionaler die Hintergrundgeschichte eines unbekannten Vermieters ist, desto eher handelt es sich um ein Ablenkungsmanöver von den harten Fakten. Ein professionelles Mietverhältnis basiert auf Fakten und rechtlichen Rahmenbedingungen, nicht auf fiktiven Drehbüchern. Bleiben Sie sachlich und lassen Sie sich nicht durch Mitleid oder künstlich erzeugten Zeitdruck zu unüberlegten Zahlungen oder Unterschriften hinreißen.


Fazit: Wachsamkeit als bester Rechtsschutz

Die Suche nach einer Wohnung in Deutschland erfordert Geduld und eine gesunde Portion Misstrauen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sie niemals Zahlungen via Kryptowährungen oder PayPal-Freunde leisten sollten und eine Besichtigung vor Ort – oder zumindest über verifizierte Agenturen – unverzichtbar ist. Schützen Sie Ihre Dokumente durch Wasserzeichen und hinterfragen Sie Angebote, die zu gut klingen, um wahr zu sein. Als Ihre Anwaltskanzlei unterstützen wir Sie dabei, dass Ihr Start in Deutschland auf einem soliden rechtlichen Fundament steht. Ein sicher abgeschlossener Mietvertrag ist die Basis für ein ruhiges Ankommen und die erfolgreiche Integration. Bleiben Sie wachsam, damit Ihre erste Adresse in Deutschland ein Ort der Freude und kein Fall für die Justiz wird.


bottom of page