Studie: IT-Fachkräfte und Ingenieure besonders im Süden Deutschlands häufig aus dem Ausland
- VISAGUARD Sekretariat

- vor 8 Stunden
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Es ist ein Szenario, das auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint und viele Personalabteilungen sowie internationale Experten gleichermaßen verunsichert. Während die Schlagzeilen über Werksschließungen und Stellenabbau in der deutschen Industrie zunehmen, kämpfen Unternehmen in den wirtschaftlichen Herzkammern des Südens verzweifelt um qualifizierte Ingenieure und IT-Spezialisten. Die aktuelle Auswertung des VDI/IW-Ingenieurmonitors für das dritte Quartal 2025 zeichnet ein Bild, das wir in unserer täglichen Beratungspraxis immer häufiger erleben: Eine konjunkturelle Delle trifft auf ein tiefsitzendes, strukturelles Defizit. Wer nun glaubt, das Thema Visumsrecht und Fachkräfteeinwanderung würde durch die steigende Arbeitslosigkeit an Relevanz verlieren, irrt gewaltig. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, denn die Sicherung der technologischen Souveränität Deutschlands hängt mehr denn je an der reibungslosen Zuwanderung hochqualifizierter Köpfe.
Die nackten Zahlen hinter dem bayerischen Paradoxon
Betrachten wir die harten Fakten, zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den Regionen. In Bayern ist die Arbeitslosigkeit unter Ingenieuren und IT-Fachkräften im Vergleich zum Vorjahr um satte 30,1 Prozent gestiegen, in Baden-Württemberg um 25 Prozent. Doch diese Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die sogenannte Engpasskennziffer weiterhin alarmierend hoch ist. Bundesweit kommen auf 100 Arbeitslose in diesen Berufsgruppen immer noch 173 offene Stellen. In Bayern liegt dieser Wert mit 208 sogar weit über dem Durchschnitt.
Wir sehen hier eine Entwicklung, die juristisch und wirtschaftlich eine präzise Steuerung verlangt. Die Unternehmen suchen nicht irgendwen, sondern Spezialisten, die oft im Inland schlicht nicht mehr verfügbar sind. Hier greift das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG), insbesondere die Regelungen zur Blauen Karte EU gemäß § 18g AufenthG. Diese ist und bleibt das wichtigste Instrument, um den Bedarf in den Mangelberufen zu decken. Trotz der konjunkturellen Schwankungen bleibt die rechtliche Hürde für die Erteilung dieser Aufenthaltstitel stabil, da der Gesetzgeber erkannt hat, dass Innovation nicht pausieren darf, nur weil die Wirtschaft kurzzeitig stagniert.
Der Süden als Magnet für internationale Talente
Besonders spannend ist die Beobachtung, dass gerade die Regionen mit dem stärksten Anstieg der Arbeitslosigkeit auch die höchste Quote an ausländischen Fachkräften aufweisen. Bayern und Baden-Württemberg liegen hier signifikant über dem Bundesdurchschnitt. Fast 27 Prozent des gesamten Beschäftigungswachstums in den Ingenieurberufen seit 2012 lassen sich auf internationale Experten zurückführen. In Bayern arbeiten mittlerweile 13,9 Prozent ausländische Ingenieure – ein Wert, der zeigt, wie systemrelevant die Zuwanderung für den Freistaat geworden ist.
In unserer Kanzlei betreuen wir zahlreiche Mandate im Großraum München, der bundesweit eine absolute Vorreiterrolle einnimmt. Landkreise wie Starnberg erreichen einen Ausländeranteil von über 30 Prozent in Ingenieurberufen. Dies liegt nicht zuletzt an der Strahlkraft der Technischen Universität München (TUM), die als Talentschmiede fungiert. Für uns als Rechtsanwälte bedeutet dies oft die Begleitung des Übergangs vom Studium in den Beruf. Gemäß § 20 AufenthG haben Absolventen deutscher Hochschulen die Möglichkeit, zur Arbeitsplatzsuche im Land zu bleiben – ein Privileg, das den bayerischen Unternehmen einen direkten Zugriff auf Weltklasse-Talente ermöglicht, bevor diese von der internationalen Konkurrenz abgeworben werden.
Die Rolle der Politik und die neue Work-and-Stay-Agentur
Die Erkenntnis, dass der Ingenieurmarkt ohne Migration kollabieren würde, ist mittlerweile auch in der Politik angekommen. Die Pläne zur Einrichtung einer zentralen "Work-and-Stay-Agentur" werden von Experten ausdrücklich begrüßt. Wir teilen diese Ansicht, mahnen jedoch zur Vorsicht bei der praktischen Umsetzung. Ein zentralisiertes System ist nur dann effizient, wenn es das dezentrale Wissen der lokalen Ausländerbehörden und die Expertise spezialisierter Rechtsvertreter einbindet.
Rechtlich gesehen ist die Beschleunigung der Verfahren das Nadelöhr. Das beschleunigte Fachkräfteverfahren nach § 81a AufenthG bietet bereits heute eine Möglichkeit, die Wartezeiten deutlich zu verkürzen. Dennoch erleben wir in der Praxis oft, dass die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen (§ 18 Abs. 2 AufenthG) zum bürokratischen Stolperstein wird. Eine neue Agentur muss hier als Katalysator wirken, nicht als zusätzliche Verwaltungsebene. Die Sicherung der Wertschöpfung, gerade in Hochtechnologie-Clustern wie München, hängt unmittelbar davon ab, wie schnell ein unterschriebener Arbeitsvertrag in ein gültiges Visum übersetzt werden kann.
Fazit: Migration als Lebensversicherung für den Standort Süd
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die aktuelle konjunkturelle Eintrübung nur eine vorübergehende Maskierung des eigentlichen Problems darstellt. Der demografische Wandel und sinkende Studierendenzahlen im Inland werden die Lücke in den kommenden Jahren unweigerlich weiter aufreißen. Ausländische Fachkräfte sind längst nicht mehr nur eine Ergänzung, sondern die Lebensversicherung für den industriellen Mittelstand und die Großkonzerne in Süddeutschland.
Wir als Kanzlei sehen es als unsere Aufgabe, diesen Prozess rechtlich abzusichern. Es geht darum, die komplexen Paragraphen des Aufenthaltsgesetzes so zu nutzen, dass Unternehmen Planungssicherheit erhalten und Fachkräfte eine echte Perspektive in Deutschland finden. Die Zahlen des VDI-Monitors sind ein Weckruf: Wer jetzt die Bemühungen um internationale Talente einstellt, wird im nächsten Aufschwung ohne das nötige Know-how dastehen.
Möchten Sie erfahren, wie wir Ihr Unternehmen oder Ihre persönliche Karriere durch das komplexe deutsche Visumsrecht manövrieren können? Kontaktieren Sie uns für eine Erstberatung.
Hier gehts zum VDI-/IW-Ingenieurmonitor für das dritte Quartal 2025: https://www.vdi.de/news/detail/ingenieurarbeitsmarkt-unter-druck-zwischen-krise-und-fachkraeftemangel



