Deutschland will Schengen-Visa für russische Staatsangehörige weiter einschränken

Die Bundesregierung will auf europäischer Ebene auf eine weitere Einschränkung von Schengen-Visa für russische Staatsangehörige hinwirken. Das Auswärtige Amt erklärte Anfang September 2026 ausdrücklich, dass aus Sicht Deutschlands innerhalb der Europäischen Union weiterhin zu viele sogenannte C-Visa für russische Staatsangehörige ausgestellt werden.
Damit könnte sich die ohnehin schwierige Situation russischer Visumantragsteller weiter verschärfen.
Aus unserer anwaltlichen Praxis beobachten wir bereits seit längerer Zeit, dass Visumverfahren russischer Staatsangehöriger besonders schwierig sein können.
Was plant die Bundesregierung bei Visa für russische Staatsangehörige?
Das Auswärtige Amt hat seine Position am 2. September 2026 ungewöhnlich deutlich formuliert. Bereits seit 2022 verfolgt die Europäische Union gegenüber Russland eine restriktivere Visumpolitik. Unter anderem wurde das Visaerleichterungsabkommen zwischen der EU und Russland vollständig ausgesetzt.
Deutschland will nun offenbar noch weiter gehen.
Nach Angaben des Auswärtigen Amtes werde die europäische Linie von den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich streng umgesetzt. Deutschland sieht hier „Nachbesserungsbedarf“. Auf die Frage, worin dieser konkret bestehe, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes ausdrücklich, die Zahl der erteilten C-Visa für russische Staatsangehörige für Urlaubsreisen in die EU sei zu hoch.
Die Bundesregierung möchte die Angelegenheit daher mit den europäischen Partnern besprechen.
Warum verschärft Deutschland seine Position gerade jetzt?
Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit den erheblich verschärften deutsch-russischen Beziehungen. Deutschland macht Russland für einen versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. Russland bestreitet die Vorwürfe.
Die Bundesregierung kündigte daraufhin mehrere Gegenmaßnahmen an. Dazu gehören diplomatische Maßnahmen, weitere Bestrebungen nach Sanktionen sowie mögliche zusätzliche Reisebeschränkungen gegenüber russischen Staatsangehörigen.
Die Diskussion über Visa ist damit inzwischen ausdrücklich Teil der sicherheits- und außenpolitischen Auseinandersetzung mit Russland.
Wie schwierig sind deutsche Visa für russische Staatsangehörige bereits heute?
Nach unserer Erfahrung sind Visumverfahren für russische Staatsangehörige schon jetzt teilweise außerordentlich schwierig.
In der anwaltlichen Praxis erleben wir insbesondere langwierige Sicherheitsprüfungen. Verfahren können sich dadurch erheblich verlängern. Hinzu kommen teilweise Ablehnungen, deren Begründungen aus unserer Sicht sehr oberflächlich erscheinen und bei denen der Eindruck entstehen kann, dass die politische Gesamtsituation eine erhebliche Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt hat.
Dabei muss allerdings zwischen Sicherheitsinteressen des Staates und dem konkreten Antragsteller unterschieden werden.
Selbstverständlich dürfen deutsche und europäische Behörden tatsächliche Sicherheitsrisiken berücksichtigen. Die Staatsangehörigkeit allein sagt jedoch wenig darüber aus, ob von einem konkreten Menschen eine Gefahr ausgeht.
Ist eine pauschale Einschränkung für russische Staatsangehörige gerechtfertigt?
Aus unserer Sicht ist eine pauschale Betrachtung russischer Staatsangehöriger problematisch.
Der durchschnittliche russische Staatsangehörige trägt keine persönliche Verantwortung für die Politik der russischen Regierung. Das gilt erst recht für Menschen, die Russland verlassen möchten und möglicherweise gerade deshalb eine Zukunft in Deutschland oder einem anderen europäischen Staat suchen.
Eine Visumpolitik, die Antragsteller faktisch allein wegen ihrer russischen Staatsangehörigkeit schlechter behandelt, kann deshalb diskriminierend wirken.
Die politische Auseinandersetzung mit der russischen Regierung darf nicht dazu führen, dass die individuelle Prüfung eines Visumantrags durch eine pauschale politische Bewertung ersetzt wird.
Gerade aus rechtsstaatlicher Sicht muss deshalb weiterhin der konkrete Einzelfall im Mittelpunkt stehen.
Betrifft die Entwicklung auch nationale Visa für Deutschland?
Die aktuelle politische Diskussion betrifft insbesondere kurzfristige Schengen-Visa beziehungsweise C-Visa. Diese müssen von nationalen Visa für längerfristige Aufenthalte unterschieden werden.
Wer beispielsweise in Deutschland arbeiten, studieren oder mit Familienangehörigen zusammenleben möchte, beantragt regelmäßig ein nationales Visum. Hier gelten andere Rechtsgrundlagen und andere Voraussetzungen.
Allerdings können Sicherheitsprüfungen und die allgemein verschärfte politische Situation auch bei solchen Verfahren praktische Auswirkungen haben. Russische Antragsteller sollten daher insbesondere bei ungewöhnlich langen Verfahren oder schwer nachvollziehbaren Ablehnungen genau prüfen, auf welche Gründe sich die Auslandsvertretung tatsächlich beruft.
Werden Visa für Russen jetzt komplett eingestellt?
Nein. Von einem generellen Visumstopp kann derzeit keine Rede sein.
Die Bundesregierung fordert vielmehr eine weitere Reduzierung insbesondere der touristischen C-Visa und zusätzliche Kontrollen beziehungsweise Reisebeschränkungen.
Wie weit sich Deutschland auf europäischer Ebene damit durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.
Für russische Staatsangehörige zeichnet sich allerdings bereits jetzt ab, dass Visumverfahren in Europa politisch und praktisch eher schwieriger als einfacher werden dürften.



