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Fachkräfteeinwanderung Baden-Württemberg und Indien: Maharashtra-Abkommen bisher ohne Ergebnisse

Baden Württemberg and Flag of India

Lange nach dem viel beachteten Memorandum of Understanding zwischen dem indischen Bundesstaat Maharashtra und dem deutschen Bundesland Baden-Württemberg fällt die Bilanz ernüchternd aus: Noch kein einziger qualifizierter Arbeiter ist im Rahmen dieses Programms nach Deutschland entsendet worden. Dabei war das Ziel ambitioniert – bis zu 10.000 Fachkräfte sollten für den deutschen Arbeitsmarkt gewonnen werden. Der Fall zeigt exemplarisch, wie komplex und fehleranfällig staatlich organisierte Migrationsprogramme in der Praxis sein können.


Hohe Erwartungen und millionenschwere Werbung

Maharashtra hatte früh große Hoffnungen in das Modellprojekt gesetzt. Allein rund fünf Crore Rupien, also mehrere hunderttausend Euro, flossen in die Bewerbung des Programms und in Stuttgart wurde eine eigene Repräsentanz eröffnet. Das Ergebnis schien zunächst beeindruckend: Über 32.000 Bewerberinnen und Bewerber registrierten sich für die Deutsch-Sprachkurse, die als Voraussetzung für eine Einreise nach Deutschland vorgesehen waren. Gleichzeitig standen für das Gesamtprojekt umgerechnet mehrere Millionen Euro bereit. Doch trotz dieses finanziellen und organisatorischen Aufwands blieb der entscheidende Durchbruch bislang aus.


Sprachliche Hürden als zentrales Nadelöhr

Ein Pilotprojekt in den Regionen Sindhudurg und Kudal sollte den Startschuss für den praktischen Teil des Abkommens bilden. 107 Kandidatinnen und Kandidaten aus verschiedenen Berufsfeldern, darunter auch Pflegeberufe, wurden für die Sprachförderung ausgewählt. Zwar bestanden 81 Teilnehmende die A1-Prüfung im internen Testverfahren, doch auf der nächsten Stufe scheiterten fast alle. Ohne bestandene A2-Prüfung war eine Entsendung nach Deutschland nicht möglich.


Die Verantwortlichen verweisen dabei auf erhebliche strukturelle Schwierigkeiten. Viele der Teilnehmenden verfügen nicht über einen akademischen Hintergrund, was das Erlernen der deutschen Sprache zusätzlich erschwert. Gleichzeitig zeigt sich hier ein zentrales Problem vieler staatlicher Programme: Der Spracherwerb wird häufig unterschätzt, obwohl er der Schlüssel zur erfolgreichen Arbeitsmigration ist.


Organisation, Prüfungen und fehlende Genehmigungen

Auch auf institutioneller Ebene kommt das Projekt nur langsam voran. Zwar wurden auf Distriktebene Bildungsnachweise überprüft und Gespräche mit deutschen Partnern aufgenommen, doch bis heute haben die zuständigen Behörden keine endgültigen Genehmigungen für Sprachschulträger erteilt. Zwar existieren inzwischen 15 Sprachzentren allein in Mumbai, doch viele formale Verfahren sind noch immer nicht abgeschlossen. Damit fehlt es an der notwendigen rechtlichen und organisatorischen Grundlage, um die Migration überhaupt praktisch umzusetzen.


Hoffnung auf 2026 – doch viele Fragen bleiben offen

Nach Angaben der Projektleitung könnten erste Teilnehmende frühestens Ende 2026 nach Deutschland kommen. Parallel werden inzwischen sogar Lehrerinnen und Lehrer staatlicher Schulen in Deutsch ausgebildet, einige von ihnen haben bereits das Sprachniveau B1 erreicht. Dennoch bleibt offen, ob diese Maßnahmen ausreichen, um das ursprüngliche Ziel in absehbarer Zeit auch nur annähernd zu erreichen.


Der Fall verdeutlicht, dass staatliche Fachkräfteabkommen zwar politisch attraktiv sind, in der Umsetzung jedoch an ganz praktischen Hürden scheitern können: Sprachqualifikation, Bildungsniveau, Verwaltungsverfahren und realistische Zeitplanung entscheiden letztlich über Erfolg oder Misserfolg.


Für deutsche Arbeitgeber, die auf staatliche Kontingente aus Drittstaaten hoffen, ist diese Entwicklung ein wichtiges Warnsignal. Verlässlicher ist in der Praxis häufig der individuelle Einwanderungsweg über das Fachkräfteeinwanderungsrecht mit klaren Anforderungen, rechtssicherem Visumverfahren und professioneller Begleitung. Groß angelegte politische Versprechen ersetzen keine funktionierenden Verwaltungsstrukturen und keine tragfähige Sprachausbildung.


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