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Fast 10.000 Abschiebungen im ersten Halbjahr 2026

vor 6 Tagen
2 Min. Lesezeit

9663 Menschen wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 aus Deutschland abgeschoben – im Schnitt mehr als 50 Personen pro Tag. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Unter den Betroffenen waren gut 1900 Frauen und rund 1350 Minderjährige, die meisten Rückführungen gingen in die Türkei, gefolgt von Georgien und Algerien. Allein die Sicherheitsbegleitung bei den Rückführungen kostete den Bund im ersten Halbjahr 5,9 Millionen Euro. Was zunächst wie eine reine innenpolitische Randnotiz klingt, ist für alle, die in Deutschland leben, arbeiten oder studieren möchten, weit mehr als eine abstrakte Zahl. Sie zeigt, mit welcher Konsequenz deutsche Behörden inzwischen gegen eine bestehende Ausreisepflicht vorgehen – und macht deutlich, warum ein sauber geführter Aufenthaltsstatus heute wichtiger ist denn je.


Wie haben sich die Abschiebezahlen in den letzten Jahren entwickelt?

Die aktuellen Zahlen sind kein Ausreißer, sondern Teil eines klaren Trends. Seit 2020 steigt die Zahl der jährlichen Abschiebungen aus Deutschland kontinuierlich an: 2023 wurden 16.430 Menschen abgeschoben, 2024 waren es bereits 20.084, im Jahr 2025 stieg die Zahl auf 22.787. Setzt sich das Tempo des ersten Halbjahres 2026 fort, dürfte auch dieses Jahr einen neuen Höchststand markieren. Diese Entwicklung ist politisch gewollt und das Ergebnis einer bewussten gesetzgeberischen Weichenstellung, die weit über tagesaktuelle Schlagzeilen hinausreicht.


Warum steigt die Zahl der Vollzugsmaßnahmen so deutlich an?

Den rechtlichen Rahmen für die schärfere Vollzugspraxis hat der Gesetzgeber bereits mit dem sogenannten Rückführungsverbesserungsgesetz gelegt, das am 27. Februar 2024 in Kraft trat. Es verlängerte unter anderem den Ausreisegewahrsam nach § 62b AufenthG von zehn auf 28 Tage, erleichterte den Zugriff der Behörden auf digitale Daten zur Identitätsklärung und schuf mehr Möglichkeiten, Betroffene ohne vorherige Vorwarnung an ihrer Wohnanschrift aufzugreifen. Mit dem Regierungswechsel 2025 und der seither vom Bundesinnenminister verfolgten Grenz- und Migrationspolitik hat sich dieser Kurs weiter verschärft. Aus unserer täglichen Praxis mit Ausländerbehörden im gesamten Bundesgebiet können wir bestätigen: Die Bearbeitungsgeschwindigkeit bei Ausreisepflichten hat spürbar zugenommen, während der Spielraum für kulanzweise Fristverlängerungen kleiner geworden ist.


Was hat die steigende Zahl der Abschiebungen mit gut integrierten Fachkräften und Expats zu tun?

Auf den ersten Blick betreffen die aktuellen Zahlen vor allem Personen ohne Bleiberecht. Für uns als Kanzlei, die täglich internationale Fachkräfte, Unternehmen und Familien berät, zeigt der Trend jedoch etwas Grundsätzlicheres: Die gesamte Verwaltungsmaschinerie rund um Aufenthaltsrecht arbeitet heute konsequenter, schneller und mit weniger Nachsicht als noch vor wenigen Jahren. Wer sein Visum nicht rechtzeitig verlängert, den Arbeitgeberwechsel nicht ordnungsgemäß meldet oder eine Frist der Ausländerbehörde verstreichen lässt, gerät in genau dieselbe rechtliche Maschinerie, die derzeit so sichtbar an Tempo gewinnt. Für Fachkräfte aus den USA, Großbritannien oder Kanada, die aus Rechtsordnungen mit einer traditionell großzügigeren Verwaltungspraxis kommen, ist das oft eine Umstellung: Ein deutscher Aufenthaltstitel verzeiht formale Fehler deutlich seltener, als es viele erwarten.


Fazit

Fast 10.000 Abschiebungen allein im ersten Halbjahr 2026 sind mehr als eine statistische Randnotiz – sie sind der sichtbare Ausdruck einer Verwaltungspraxis, die spürbar konsequenter geworden ist und sich seit 2020 in stetig steigenden Zahlen niederschlägt. Für internationale Fachkräfte, Studierende, Unternehmen und Familien bedeutet das vor allem eines: Formale Fristen und Meldepflichten sind kein bürokratisches Beiwerk mehr, sondern entscheiden zunehmend darüber, ob ein Aufenthalt in Deutschland Bestand hat. Wer frühzeitig anwaltlichen Rat einholt, statt auf Kulanz zu hoffen, sichert sich in diesem Umfeld den entscheidenden Vorsprung.

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