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Nur 6 % der Betriebe rekrutieren Fachkräfte im Ausland und 83 % kennen das beschleunigte Fachkräfteverfahren nicht

Ahnungsloser Mann guckt in die Kamera

Deutschland ringt seit Jahren mit einem strukturellen Fachkräftemangel. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen kämpfen damit, offene Stellen zu besetzen. Die naheliegende Lösung – die Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten – wird jedoch kaum genutzt. Die aktuellen Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeichnen ein deutliches Bild: Nur rund 6 Prozent der deutschen Betriebe rekrutieren tatsächlich aktiv im Ausland. Besonders bemerkenswert ist aber eine zweite Zahl: 36 Prozent der Unternehmen verzichten auf Auslandsrecruiting, obwohl sie dringend Fachkräfte benötigen. Das bedeutet: Der Mangel ist da – aber das zentrale Handlungsinstrument wird nicht genutzt.


Informationsdefizit ist größer als der Fachkräftemangel

Wer in der täglichen Beratungspraxis mit Arbeitgebern arbeitet, sieht schnell, dass rechtliche und organisatorische Hürden viele Unternehmen abschrecken. Das IAB bestätigt dies nun empirisch: 55 Prozent der Unternehmen, die trotz Bedarfs nicht im Ausland rekrutieren, fühlen sich mit der Einschätzung ausländischer Qualifikationen überfordert. 52 Prozent nennen rechtliche und bürokratische Hürden als Hauptgrund.


Der entscheidende Befund aber ist ein anderer – und er wird sowohl in der Studie als auch in der Praxis unterschätzt: Nur 17 Prozent der Betriebe wissen überhaupt, dass es ein beschleunigtes Fachkräfteverfahren gemäß § 81a (“fast-track procedure”) gibt. Bei kleinen Betrieben sind es sogar nur 14 Prozent. Damit ist das zentrale Instrument, das den Weg zur ausländischen Fachkraft vereinfachen und beschleunigen soll, schlicht unbekannt. Gerade dort, wo der Bedarf am größten ist, ist die Kenntnis am geringsten.


Beschleunigtes Fachkräfteverfahren als Fehlschlag

Seit März 2020 bietet § 81a AufenthG Unternehmen die Möglichkeit, ein vollständiges „Fast-Track-Verfahren“ zu nutzen. Die Idee ist ebenso simpel wie effektiv: Die zentrale Ausländerbehörde übernimmt weitgehend die Steuerung des Anerkennungs- und Zustimmungsverfahrens und setzt verbindliche Fristen. Das Ziel ist klar definiert:

Anerkennung + Visum in unter vier Monaten. Trotzdem wird es von der großen Mehrheit der Unternehmen bis heute nicht genutzt – weil sie nichts davon wissen. Dies mag wohl auch daran liegen, dass die Fachöffentlichkeit (insbesondere die Migrationsanwaltschaft) das Verfahren als sehr ineffizient bewertet und deshalb den Madant*innen häufig vom beschleunigten Fachkräfteverfahren abrät.


Das beschleunigte Fachkräfteverfahren ist seit vier Jahren in Kraft und trotzdem kennt es nur jeder sechste Betrieb. Diese Diskrepanz zeigt eines sehr deutlich:

Deutschland hat nicht nur ein Bürokratie-, sondern auch ein Informationsproblem.


Fazit: Fachkräftemangel auch aufgrund schlechter Informationslage

Deutschland hat ein rechtlich klar geregeltes, beschleunigtes Verfahren für internationale Fachkräfte, das allerdings vielfach nicht genutzt wird. Wenn nur 6 Prozent der Betriebe überhaupt im Ausland rekrutieren und nur 17 Prozent das zentrale Fast-Track-Verfahren kennen, dann ist klar: Ohne gezielte Information und professionelle Begleitung wird sich daran wenig ändern. Gleichwohl ist der Regierung und den Fachkräftebehörden zu Gute zu halten, dass mit make-it-in-germany und ähnlichen Websites durchaus ausreichende Informationsressourcen für Entscheider*innen in HR-Abteilungen zur Verfügung stehen.

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