Peinlich: Regierung verliert SCHON WIEDER vor Gericht wegen Zurückweisungen an der Grenze
- Mirko Vorreuter, LL.B.

- vor 1 Stunde
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Wer als hochqualifizierte Fachkraft, internationaler Student oder Expat den Schritt nach Deutschland wagt, vertraut auf die sprichwörtliche deutsche Rechtssicherheit. Man erwartet bürokratische Hürden, aber man verlässt sich darauf, dass bestehende Gesetze sowohl für Einwanderer als auch für die staatlichen Organe bindend sind. Genau dieses Vertrauen gerät jedoch ins Wanken, wenn die Bundesregierung im Rahmen ihrer Migrationspolitik wiederholt die Grenzen des rechtlich Zulässigen überschreitet und von den eigenen Gerichten zurückgewiesen wird. Das Verwaltungsgericht Berlin hat nun in einem aktuellen Beschluss der Praxis von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt eine erneute, wenn auch von der Öffentlichkeit fast unbemerkte, juristische Abfuhr erteilt. Für ausländische Akademiker, Young Professionals und auch für HR-Abteilungen deutscher Unternehmen wirft dies fundamentale Fragen über die Stabilität und Verlässlichkeit des deutschen Aufenthaltsrechts auf.
Warum stand die Grenzpolitik der Bundesregierung erneut vor Gericht?
Bereits im Sommer 2025 sorgte eine Entscheidung der 6. Kammer des Verwaltungsgerichts Berlin für erhebliches Aufsehen, als sie die pauschale Zurückweisung von Schutzsuchenden an den deutschen Außengrenzen für europarechtswidrig erklärte. Die politische Führung versuchte damals, das Urteil als isolierte Einzelfallentscheidung abzutun, um die umstrittene Grenzkontrollpraxis fortzusetzen. Nun hat jedoch die 28. Kammer des Verwaltungsgerichts Berlin in einem neuen Eilverfahren vom 22. Mai (Az. 28 L 270/26 A) diese Argumentation der Bundesregierung eindrucksvoll demontiert.
Im konkreten Fall ging es um einen Mann aus Eritrea, der nach einer rechtswidrigen Abschiebung und einer anschließenden Zurückweisung an der Grenze monatelang in Warschau festsaß. Das Gericht stellte unmissverständlich fest, dass diese Zurückweisung rechtswidrig war und dem Betroffenen die Einreise nach Deutschland zu gewähren ist. Für uns als Anwaltskanzlei für Visumsrecht zeigt dieser Fall überdeutlich, dass die juristische Kontrollfunktion in Deutschland funktioniert, selbst wenn die Politik versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen.
Welche Gesetze überwiegen bei der Einreise nach Deutschland?
Die juristische Begründung des Gerichts verdeutlicht einen zentralen Grundsatz des modernen Migrationsrechts: Das europäische Recht steht über dem nationalen Recht. Die Bundespolizei stützte ihre Zurückweisungen auf nationale Vorschriften wie § 15 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) sowie § 18 des Asylgesetzes (AsylG). Das Verwaltungsgericht Berlin stellte jedoch klar, dass diese nationalen Regelungen durch die europäische Dublin-III-Verordnung vollständig überlagert werden. Sobald eine Person an der Grenze ein Asylgesuch oder den Wunsch nach Schutz äußert, greift das verbindliche europäische Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates. Eine eigenmächtige, formlose Zurückweisung an der Grenze hebelt diese rechtsstaatlichen Prozesse aus und verletzt den verbrieften Anspruch auf ein ordnungsgemäßes Verfahren. Nationale Alleingänge an den Grenzen sind im harmonisierten europäischen Asyl- und Visumsrecht rechtlich nicht zulässig.
Was bedeutet das Scheinargument der "nationalen Notlage"?
Um die umstrittene Maßnahmen zu rechtfertigen, beruft sich das Bundesinnenministerium immer wieder auf das Vorliegen einer "nationalen Notlage" gemäß Art. 72 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU. Diese Vorschrift erlaubt es Mitgliedstaaten theoretisch, in extremen Krisensituationen von EU-Recht abzuweichen, um die öffentliche Ordnung und die innere Sicherheit zu gewährleisten.
Das Gericht ging auf dieses Argument in der jüngsten Entscheidung jedoch überhaupt nicht ein – ein klares Signal dafür, wie rechtlich fernliegend diese Argumentation bewertet wird. Die Bundesregierung konnte bisher keinerlei belastbare Daten vorlegen, die eine solche fundamentale Bedrohung der inneren Sicherheit untermauern würden. Dass die Behörden im Gerichtsverfahren gar keine konkreten Tatsachen zu einer Notlage vortrugen, entlarvt die politische Rhetorik. Für gut ausgebildete Fachkräfte aus Ländern wie den USA, Kanada oder Großbritannien, die den deutschen Rechtsstaat als verlässlichen Partner wahrnehmen möchten, wirkt dieses staatliche Taktieren verunsichernd.
Welche Konsequenzen hat das Urteil für Expats und Arbeitgeber?
Auch wenn dieser Fall primär das Asylrecht betrifft, sind die Auswirkungen auf das gesamte Spektrum der Fachkräfteeinwanderung und des Visumsrechts spürbar. Wenn die Bundesregierung bei der Durchsetzung politischer Ziele bereit ist, gefestigtes Unionsrecht zu ignorieren, leidet die internationale Reputation Deutschlands als attraktives Einwanderungsland. Top-Talente, die über eine Blaue Karte EU oder ein klassisches Arbeitsvisum nach Deutschland kommen wollen, benötigen absolute Planungssicherheit für sich und ihre Familien. HR-Abteilungen und Human Resource Manager, die händeringend nach ausländischen Spezialisten suchen, sind darauf angewiesen, dass Einreiseverfahren transparent und strikt nach Recht und Gesetz ablaufen. Willkür oder rechtliche Grauzonen an den Grenzen konterkarieren alle Bemühungen, den Fachkräftemangel effektiv zu bekämpfen. Wir als Kanzlei raten Arbeitgebern und Expats daher, bei jedem Schritt im Visumsverfahren auf eine lückenlose Dokumentation zu achten, da die Verwaltungspraxis derzeit von politischer Nervosität geprägt ist.
Wie geht es nun im Streit um die Grenzkontrollen weiter?
Das politische Narrativ der Bundesregierung, es handele sich lediglich um rechtliche "Einzelfälle", ist nach dieser zweiten gerichtlichen Niederlage endgültig gescheitert. Zwei unabhängige Kammern des größten deutschen Verwaltungsgerichts haben dieselbe Praxis als rechtswidrig eingestuft. Die nächste Bewährungsprobe für die staatliche Migrationspolitik steht bereits in wenigen Wochen an: Am 9. Juli verhandelt das Verwaltungsgericht Karlsruhe in der Hauptsache über die Klage eines an der französisch-deutschen Grenze zurückgewiesenen Ausländers. Sollte auch dort eine Niederlage folgen, droht das gesamte Kartenhaus der aktuellen Grenzschutzstrategie zusammenzubrechen. Gleichwohl ist nicht davon auszugehen, dass die aktuelle Bundesregierung sich von Gerichtsentscheidungen beeindrucken lässt. Die Gewaltenteilung wird hier in trumpscher Manier mit Füßen getreten, während die ganze Welt dabei zuschaut.
Fazit
Die wiederholten gerichtlichen Schlappen der Bundesregierung zeigen, dass der Rechtsstaat funktioniert und politisch motivierten Rechtsbrüchen an der Grenze Einhalt gebietet. Für hochqualifizierte ausländische Fachkräfte, Studenten und Expats ist dies trotz der anfänglichen Irritation eine gute Nachricht: Das deutsche Rechtssystem schützt das Individuum vor staatlicher Willkür. Dennoch verdeutlicht die aktuelle Lage, wie komplex und anfällig das Aufenthaltsrecht in Zeiten politischer Debatten sein kann. Als Kanzlei für Visumsrecht unterstützen wir Sie und Ihr Unternehmen dabei, sich sicher im Dickicht der Paragraphen zu bewegen und Ihre Rechte auf Einreise und Aufenthalt erfolgreich durchzusetzen.



