top of page
VISAGUARD Logo

Steigende Insolvenzzahlen und Fachkräfteeinwanderung: Was bedeutet die Insolvenzwelle für internationale Talente?

Insolvenzakte

Deutschland wirbt seit Jahren offensiv um internationale Fachkräfte. Kampagnen wie Make it in Germany, beschleunigte Visa-Verfahren und ein modernisiertes Fachkräfteeinwanderungsrecht sollen den Standort stärken. Doch während der Staat Türen öffnet, schließt die Wirtschaft sie zunehmend: Deutschland erlebt die stärkste Insolvenzwelle seit fast 20 Jahren. Laut Deutscher Industrie- und Handelskammer (DIHK) stehen rund 22.000 Unternehmensschließungen bevor – ein historischer Höchstwert, der die gesamte Architektur der Arbeitsmigration ins Wanken bringt. Was heißt das für Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten, eine Ausbildung zu beginnen oder langfristig Fuß zu fassen? Dieser Blogpost zeigt, welche Risiken bestehen, warum viele Versprechen im Ausland unrealistisch sind und wie Zuwanderer ihre Chancen realistisch einschätzen sollten.


Die Diskrepanz zwischen Fachkräftemangel und Unternehmenspleiten

Deutschland leidet seit Jahren unter einem strukturellen Fachkräftemangel – besonders in Pflege, Handwerk, Logistik, IT und Gastronomie. Doch parallel dazu steigt die Zahl der Firmeninsolvenzen dramatisch an. Dieser scheinbare Widerspruch führt zu einem gefährlichen Trugschluss: Ja, es fehlen Fachkräfte. Aber gleichzeitig fallen immer mehr Arbeitgeber weg. Damit entsteht eine paradoxe Situation: Einerseits sucht die Politik dringend qualifizierte Zuwanderer, andererseits geraten viele Unternehmen so stark unter Kostendruck, dass sie Personal abbauen oder Insolvenz anmelden müssen.


Für ausländische Fachkräfte bedeutet das: Der Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt wird riskanter, weil neu eingestellte Mitarbeitende häufig zu den ersten gehören, die bei wirtschaftlichen Problemen gehen müssen. Wer seinen Arbeitsplatz verliert, steht schnell vor existenziellen Problemen – nicht nur finanziell, sondern auch aufenthaltsrechtlich. Viele Betroffene berichten bereits davon, dass sie nach einer Kündigung kaum Alternativen finden, weil auch andere Unternehmen in derselben Branche schwächeln oder Einstellungsstopps verhängt haben. Die Folge sind langwierige Jobsuchen, prekäre Beschäftigung oder sogar die Rückkehr ins Herkunftsland.


Besonders deutlich wird die Schieflage bei Auszubildenden: Der Druck, Kosten zu senken, führt zunehmend dazu, dass Unternehmen reguläre Beschäftigte durch günstigere Azubis ersetzen. Doch nach der Ausbildung endet für viele das vermeintliche “German Dream”-Versprechen abrupt, weil keine Übernahme erfolgt und der Betrieb kämpft oder bereits insolvent ist.


Warum Vermittler, Sprachschulen und Agenturen oft ein verzerrtes Bild vermitteln

Während sich die wirtschaftliche Lage zuspitzt, läuft das Werben um internationale Fachkräfte ungebremst weiter. Sprachschulen, Vermittlungsagenturen und staatliche Welcome-Center verbreiten weiterhin das Narrativ einer stabilen beruflichen Zukunft in Deutschland. Das Problem: Viele dieser Akteure verdienen an der Vermittlung – nicht an der Wahrheit. Vermittler erhalten ihre Gebühren oft lange bevor klar ist, ob der Arbeitsplatz stabil ist, ob das Unternehmen wirtschaftlich gesund ist oder ob die Probezeit überhaupt überstanden wird. Sobald das Geld geflossen ist, endet bei vielen das Engagement. Eine spätere Insolvenz trägt niemand außer der betroffenen Person selbst.


Hinzu kommt, dass Bewerber im Ausland kaum überprüfen können, ob der deutsche Arbeitgeber solide wirtschaftet. Viele verlassen sich auf Versprechen wie „sichere Zukunft“, „gute Integration“ oder „Übernahme garantiert“. Doch auch diese Aussagen verlieren an Wert, wenn die Branche massenhaft Stellen abbaut oder Umsätze einbrechen.


Fazit: Realismus schützt – und seriöse Beratung ist wichtiger denn je

Deutschland bleibt ein attraktives Einwanderungsland – aber der Traum vieler ausländischer Fachkräfte ist heute fragiler als noch vor wenigen Jahren. Wer nach Deutschland kommt, sollte nicht nur auf Jobangebote schauen, sondern vor allem auf deren Stabilität. Wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Unternehmenspleiten und massiver Kostendruck machen den Arbeitsmarkt für Zuwanderer unvorhersehbarer. Deshalb gilt: Versprechen kritisch prüfen, Arbeitgeber sorgfältig recherchieren. Fachkräfteeinwanderung kann funktionieren – aber sie braucht Ehrlichkeit statt Marketing.

bottom of page