top of page
VISAGUARD Logo

Studien: Deutschland bei Expats und Gutverdienern zunehmend unbeliebt


Zwei aktuelle Studien aus dem Sommer 2026 zeichnen ein unbequemes Bild von Deutschland als Ziel für internationale Fachkräfte: Im weltweiten Expat-Ranking von InterNations landet die Bundesrepublik auf dem vorletzten Platz von 31 Ländern. Gleichzeitig zeigt eine Indeed-Erhebung, dass mehr als die Hälfte der deutschen Spitzenverdiener selbst über eine Auswanderung nachdenkt. Zwei Studien, ein gemeinsamer Befund: Deutschland verliert an Attraktivität – ausgerechnet in dem Moment, in dem das Land so dringend auf internationale Fachkräfte angewiesen ist wie nie zuvor. Was bedeutet das für Arbeitgeber, die weiterhin qualifiziertes Personal aus dem Ausland holen wollen, und für Fachkräfte, die trotz der schlechten Presse den Schritt nach Deutschland wagen?


Wie schlecht schneidet Deutschland im internationalen Expat-Ranking wirklich ab?

Für die 13. Ausgabe des Expat Insider Survey hat InterNations rund 8.000 Personen aus 162 Nationen befragt, die in 31 verschiedenen Ländern leben. Bewertet wurde anhand von fünf Kategorien: Lebensqualität, Eingewöhnung, Arbeiten im Ausland, persönliche Finanzen und sogenannte „Expat Essentials“ wie digitales Leben, Verwaltung, Wohnen und Sprache. Das Ergebnis für Deutschland: Platz 30 von 31 – nur Norwegen schneidet noch schlechter ab. An der Spitze des Rankings stehen Panama, Mexiko, Thailand, die VAE und Brasilien, gefolgt von Spanien, Singapur, Portugal, Malaysia und Luxemburg. Unter den Befragten stellten US-amerikanische Staatsangehörige, Briten und Deutsche selbst die größten Gruppen – die Studie trifft also exakt die Zielgruppe, die deutsche Unternehmen und Kanzleien wie unsere für den Wirtschaftsstandort gewinnen möchten.


Woran hakt es konkret – Eingewöhnung und Verwaltung als Schwachstellen

Laut InterNations wird Deutschland vor allem durch anhaltend schwache Werte in den Kategorien „Eingewöhnung“ und „Expat Essentials“ nach unten gezogen. Befragte bemängeln eine schwerfällige Verwaltung, langsames Internet, die in Deutschland noch verbreitete Barzahlung und erhebliche Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. 62 Prozent gaben an, dass ihnen das Erlernen der deutschen Sprache schwerfällt, und nur 43 Prozent empfinden die Menschen in Deutschland als grundsätzlich freundlich. Aus unserer täglichen Praxis mit dem Landesamt für Einwanderung Berlin und vergleichbaren Behörden in anderen Bundesländern wissen wir: Diese Frustration entsteht selten am Gesetz selbst, sondern an der Verwaltungspraxis dahinter – langen Wartezeiten auf Termine, uneinheitlicher Bearbeitung vergleichbarer Anträge auf eine Aufenthaltserlaubnis und wenig transparenter Kommunikation der Ausländerbehörde. Wer diese Mechanismen nicht kennt, verliert wertvolle Zeit, während das Visum oder der Arbeitsvertrag im Ausland auf ihn wartet.


Denken auch deutsche Spitzenverdiener ans Auswandern?

Die zweite Studie richtet den Blick auf die eigene Bevölkerung. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts sind innerhalb eines Jahres mehr als 288.000 Deutsche ins Ausland gezogen – bei einem Wanderungsverlust von rund 97.000 Personen der höchste Wert seit 2017. Eine begleitende Indeed-Umfrage zeigt, dass 54 Prozent der Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen ab 6.000 Euro im vergangenen Jahr aktiv im Ausland nach einer Stelle gesucht oder sich beworben haben. Zwei Drittel aller Befragten denken grundsätzlich über eine Tätigkeit im Ausland nach, und 77 Prozent derjenigen mit konkreten Plänen wollen für mehrere Jahre oder dauerhaft im Ausland leben. Als Motive nennen die Befragten vor allem ein höheres Einkommen und eine bessere Lebensqualität (je rund 51 Prozent), gefolgt von Klima und Steuerlast (42 Prozent). Der Hintergrund ist nachvollziehbar: Von 100 Euro Arbeitskosten, die ein Arbeitgeber für eine durchschnittliche Fachkraft aufwendet, bleiben dieser nur etwa 50,70 Euro netto – der Rest fließt in Steuern und Sozialabgaben. Als beliebteste Zielländer nennt die Studie die USA, Großbritannien und die Schweiz, wobei das Interesse an Großbritannien im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent gestiegen ist.


Was bedeutet dieser Braindrain für Arbeitgeber und HR-Abteilungen?

Für Unternehmen ist das mehr als eine Randnotiz aus der Personalabteilung. Wenn die mobilsten und qualifiziertesten Mitarbeitenden zuerst gehen, verliert ein Unternehmen nicht nur einzelne Stellen, sondern genau die Personen, die institutionelles Wissen an Nachfolger weitergeben sollten. Wissenstransfer und Nachfolgeplanung funktionieren kaum, wenn ein Teil der Belegschaft innerlich schon mit einem Fuß im Ausland steht. Gleichzeitig müssen dieselben Unternehmen offene Stellen zunehmend international besetzen – etwa durch gezielte Entsendungen ausländischer Spezialisten nach Deutschland. Bindung der eigenen Fachkräfte und Rekrutierung aus dem Ausland hängen also enger zusammen, als es auf den ersten Blick scheint.


Warum kommen trotzdem so viele internationale Fachkräfte nach Deutschland?

Hier zeigt sich das eigentlich Bemerkenswerte: Während Deutsche das Land verlassen, verzeichnet Deutschland bei Menschen ohne deutschen Pass im selben Zeitraum eine Nettozuwanderung von mehr als 200.000 Personen – mit einem deutlichen Anstieg hochqualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten wie Indien, viele davon als IT-Spezialist oder Softwareentwickler in den Bereichen künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Ingenieurwesen und Forschung. Der Gesetzgeber hat auf den Fachkräftemangel reagiert: Instrumente wie die Blaue Karte EU und die Chancenkarte sollen die Fachkräfteeinwanderung erleichtern, ebenso wie die Reformen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes der vergangenen Jahre. Auch internationale Studierende, die nach ihrem Studium in Deutschland bleiben möchten, profitieren von vereinfachten Übergängen in eine Aufenthaltserlaubnis zur Erwerbstätigkeit. Der Bedarf an qualifiziertem Personal aus dem Ausland bleibt also hoch – trotz, oder gerade wegen, der schlechten Ergebnisse im Expat-Ranking.


Wie sichern sich Arbeitgeber und Fachkräfte einen reibungslosen Start trotz bürokratischer Hürden?

Genau an dieser Stelle setzen die in beiden Studien beschriebenen Probleme an: schwerfällige Verwaltung, unklare Zuständigkeiten, lange Wartezeiten bei der Ausländerbehörde und Unsicherheit bei Anforderungen wie gesichertem Lebensunterhalt, Krankenversicherung oder dem Nachweis einer geeigneten Wohnung. Viele Betroffene reagieren darauf entweder mit Abwarten, mit einem in Eigenregie gestellten Antrag oder mit einfachen Online-Tools, die nur generische Informationen liefern. Alle drei Wege bergen ein erhebliches Risiko: Ein abgelehnter oder verzögerter Antrag kostet nicht nur Zeit, sondern im schlimmsten Fall die Fachkraft selbst, wenn diese sich für ein anderes Land entscheidet. Wir begleiten seit Jahren Fachkräfte, Arbeitgeber und Familien durch genau diese Prozesse und kennen die ungeschriebenen Regeln einzelner Ausländerbehörden, typische Verzögerungstaktiken einzelner Sachbearbeiter und die Unterschiede zwischen den Bundesländern, die in keinem Gesetzeskommentar stehen. Ob Blaue Karte EU, Chancenkarte, Familiennachzug oder die Aufenthaltserlaubnis nach einem Arbeitsvertrag – wir sorgen dafür, dass der Antrag beim ersten Versuch vollständig und korrekt gestellt wird.


Fazit

Die Zahlen sind eindeutig: Deutschland hat als Expat-Standort ein Imageproblem, und auch die eigenen Spitzenverdiener denken zunehmend über einen Wechsel ins Ausland nach. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach internationalen Fachkräften ungebrochen hoch, und Deutschland verzeichnet weiterhin substanzielle Zuwanderung aus Drittstaaten. Für Unternehmen und Fachkräfte, die sich für den Standort Deutschland entscheiden, entscheidet am Ende nicht die Statistik über Erfolg oder Misserfolg, sondern die Qualität der rechtlichen Begleitung durch den bürokratischen Alltag. Wer die Verwaltungspraxis kennt, verwandelt die in den Studien beschriebenen Schwächen in einen planbaren, überschaubaren Prozess.

bottom of page