Anwaltsperspektive: Warum Fachkräftemigration aus Indien erfolgreich ist
- Isabelle Manoli

- vor 19 Stunden
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Die jüngste Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz nach Indien hat es erneut verdeutlicht: Indien ist für den deutschen Arbeitsmarkt längst keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Auch wenn die Wortwahl des Kanzlers bezüglich „Ressourcen“ juristisch und menschlich distanziert klingen mag, beschreibt sie eine ökonomische Realität, die wir in der täglichen Kanzleipraxis bei VISAGUARD hautnah miterleben.
Der Zuwachs ist beeindruckend: Innerhalb von nur fünf Jahren (2020–2025) hat sich die Zahl indischer Fachkräfte in Deutschland von rund 64.000 auf über 161.500 mehr als verdoppelt. Doch warum funktioniert die Migration ausgerechnet aus Indien so viel besser als aus anderen Regionen?
Qualifikation trifft auf Bedarf
Indische Fachkräfte sind statistisch gesehen die „Gewinner“ auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Als Anwälte sehen wir in der Visumsberatung vor allem hochqualifizierte Profile: Datenwissenschaftler, Softwareentwicklerinnen und Ingenieure. Das spiegelt sich auch in den Gehältern wider – indische Vollzeitbeschäftigte gehören im Mittel zur Spitzengruppe der ausländischen Arbeitnehmer. Der rechtliche Rahmen, insbesondere die Blaue Karte EU, ist für diese Zielgruppe wie geschaffen. Die hohen Qualifikationsnachweise der indischen IITs (Indian Institutes of Technology) werden in der Regel problemlos anerkannt, was die Verfahren beschleunigt. Die Qualität der indischen Bildungsinstitutionen ist insoweit ein entscheidender Vorteil im Vergleich zur Migration aus Afrika oder aus südostasiatischen Ländern wie den Philippinen.
Der entscheidende Standortvorteil: Die Performance der Botschaften
Ein wesentlicher Grund für den Erfolg der indischen Migration liegt – aus juristischer Sicht – auch in der Verwaltungsinfrastruktur vor Ort. Wer Fachkräfte aus Asien rekrutiert, stößt oft auf massive bürokratische Hürden. Doch im direkten Vergleich zeigt sich ein deutliches Gefälle:
Indien vs. Pakistan & Bangladesch: Während Visa-Verfahren in Islamabad oder Dhaka oft von monatelangen Wartezeiten auf Termine und einer extrem restriktiven Prüfungspraxis geprägt sind, arbeiten die deutschen Auslandsvertretungen in Indien (Neu-Delhi, Mumbai, Bangalore, Chennai und Kalkutta) vergleichsweise effizient.
Digitalisierung und Prozesse: Die indischen Botschaften haben in den letzten Jahren ihre Kapazitäten massiv ausgebaut und die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern wie VFS Global professionalisiert. Für uns als Anwälte bedeutet das: In Indien sind Termine planbar, und die Entscheidungswege sind transparenter als in fast jedem anderen Nachbarland. VFS Global arbeitet insoweit (zumindest in Indien) deutlich effizienter, als andere Termindienstleister
Dies führt dazu, dass deutsche Unternehmen Indien bevorzugen – nicht nur wegen des Talents, sondern wegen der Rechtssicherheit und Geschwindigkeit im Visumsprozess.
Arbeitsmoral und Integration
Kanzler Merz betonte in Bangalore die „beeindruckende Arbeitsbereitschaft“. In der Beratung sehen wir oft eine hohe Eigeninitiative. Indische Fachkräfte kommen meist mit exzellenten Englischkenntnissen und einer hohen Anpassungsfähigkeit. Allerdings dürfen wir die Schattenseiten nicht verschweigen. Während die hochqualifizierte Elite floriert, gibt es auch die „Verlierer“ des Systems – junge Menschen, die in prekären Verhältnissen, etwa bei Lieferdiensten, arbeiten. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, die Einhaltung von Standards sicherzustellen, damit die Fachkräftemigration ein Erfolgsmodell bleibt.
Fazit: Indien als Blueprint
Indien zeigt, wie gesteuerte Migration funktionieren kann, wenn Qualifikation auf eine funktionierende Konsularverwaltung trifft. Die Effizienz der dortigen Botschaften sollte als Vorbild für andere Regionen dienen. Wenn wir den Rückstau in Ländern wie Pakistan oder Bangladesch abbauen wollen, müssen wir die administrativen Prozesse dort auf das Niveau der indischen Standorte heben.



