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“Ausgeliefert”: Neue rbb-Doku beleuchtet Schicksal der indischen Student*innen in Berlin

Indian delivery driver in Berlin

Am 02.12.2025 hat der rbb die Dokumentation „Ausgeliefert! Das Geschäft mit den Kurierfahrern“ veröffentlicht. Die Dokumentation von rbb und NDR wirft einen schonungslosen Blick auf das Leben tausender indischer Studierender in deutschen Städten. Viele von ihnen kommen mit dem Traum nach Deutschland, ein Studium aufzunehmen und sich damit bessere Perspektiven zu sichern. Doch die Realität, die Fabian Grieger und Jan Wiese in monatelanger Recherche dokumentieren, sieht anders aus: Prekäre Arbeitsverhältnisse, unbezahlte Löhne und systematische Ausbeutung sind Alltag für die jungen Kurierfahrer, die für Unternehmen wie Wolt, Lieferando oder UberEats tätig sind. Die Doku beleuchtet dabei unter anderem auch den Zusammenhang der Ausbeutung indischer Studenten an privaten Hochschulen in Deutschland (insbesondere auch zu den sogenannten IU-Fällen) und zeigt deutlich, wie ein Markt entsteht, in dem junge Menschen durch Scheinarbeitsverträge und Subunternehmer in Schwarzarbeit gedrängt werden.


Das System der Ausbeutung

Die Dokumentation macht deutlich: Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem. Indische Studierende werden über zweifelhafte private Bildungseinrichtungen nach Deutschland gelockt, oft mit der Aussicht auf ein „wertvolles“ Studium. In Wahrheit profitieren vor allem Vermieter, Subunternehmen und die Universitäten selbst. Betroffene wie Shiwani Sharma, die hochschwanger vergeblich auf die Auszahlung von Gehältern wartet, oder Parmod Kumar, der bereits vom ersten Tag an spürte, dass er getäuscht wurde, stehen symbolisch für die dunkle Seite des Systems.


Gerade Subunternehmen nutzen dabei geschickt Lücken im Arbeitsrecht: Die Beschäftigten werden offiziell nicht direkt bei den Plattformen angestellt, wodurch Mindestlohnregelungen und soziale Absicherung umgangen werden. Die Doku zeigt diese Praxis anhand konkreter Fälle, in denen Kurierfahrer:innen ihr Geld bar in Briefumschlägen erhalten – und selbst das oft nicht vollständig.


Indische Kurierfahrer und privates Universitätssystem

Die in „Ausgeliefert!“ gezeigte Ausbeutung indischer Kurierfahrer steht in engem Zusammenhang mit den Erfahrungen vieler internationaler Studierender, insbesondere auch derjenigen der IU Internationalen Hochschule. Die Doku zeigt nicht nur die unmittelbare Ausbeutung indischer Kurierfahrer durch Subunternehmer und prekäre Arbeitsverhältnisse, sondern macht auch deutlich, dass die Vermittlung an private Hochschulen und Studienprogramme Teil desselben Systems ist. Junge Menschen werden von privaten Agenturen mit verlockenden Versprechungen nach Deutschland gelockt – angeblich für ein wertvolles Studium an einer Hochschule, die Praxisnähe und Karrierechancen verspricht. Tatsächlich zahlen die Studierenden hohe Gebühren, verschulden sich und geraten anschließend in die Abhängigkeit von dubiosen Arbeitgebern oder Subunternehmern, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die strukturelle Ausbeutung beginnt bereits vor der Einreise, durch irreführende Vermittlungsversprechen und die systematische Nutzung von Studierenden als Arbeitskräfte. Das Gesamtbild, das die Doku zeichnet, ist also nicht nur das der prekären Arbeit auf dem Fahrrad, sondern ein vielschichtiges Netzwerk von Profiteuren, das auf den Hoffnungen und der Arbeitskraft junger (insbesondere indischer) Menschen aufbaut – und sie dabei immer wieder in existenzielle Not treibt.


Fazit: Hoffnung und Ausbeutung in Deutschland

„Ausgeliefert!“ ist mehr als eine Reportage über Kurierfahrer:innen. Sie ist ein Spiegelbild der Realität vieler indischer Studierender in Deutschland. Die Doku verdeutlicht: Migrant:innen, die mit großen Hoffnungen kommen, geraten leicht in ein Netz aus finanzieller Not, Überarbeitung und rechtlicher Unsicherheit. Für Rechtsanwälte, die sich mit Migrations- und Arbeitsrecht beschäftigen, ist dies ein Lehrstück dafür, wie eng Visa-, Studien- und Arbeitsrecht zusammenhängen. 


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