top of page
VISAGUARD Logo

Migrationsforschung: SVR Migration erklärt wissenschaftlich den Boom der Einbürgerungen in Deutschland

Einbürgerungsurkunde

Deutschland erlebt seit einigen Jahren einen spürbaren Wandel im Einbürgerungsgeschehen. Mit rund 300.000 Einbürgerungen im Jahr 2024 wurde ein neuer Höchststand erreicht. Ein aktuelles Forschungsprojekt des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) zeigt, welche Entwicklungen dahinterstehen – und warum Geflüchtete eine zentrale Rolle in diesem Trend spielen. Für die migrationsrechtliche Praxis, für Beratungsstellen und für Antragstellende bietet der neue Bericht wertvolle Einordnung. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.


Warum die Einbürgerungszahlen steigen

Zwei Entwicklungen prägen den aktuellen „Einbürgerungsboom“: Menschen, die seit 2014–2016 nach Deutschland geflüchtet sind, erfüllen zunehmend die Voraussetzungen für die Einbürgerung und Geflüchtete weisen eine überdurchschnittlich hohe Einbürgerungsneigung auf.


Für viele syrische, afghanische oder irakische Staatsangehörige ist die deutsche Staatsangehörigkeit ein zentraler Schritt:


  • zur langfristigen Aufenthaltsabsicherung

  • zu stabilen Zukunfts- und Arbeitsmarktchancen

  • zur Anerkennung ihrer Integrationsleistungen

  • zur gesellschaftlichen Zugehörigkeit


Dieser Trend zeigt: Mit der Zeit werden Einbürgerungen zu einem logischen Bestandteil des Integrationsverlaufs – nicht nur politisch gewollt, sondern auch von vielen Geflüchteten aktiv angestrebt.


Gründe für Einbürgerungsanstieg seit 2014

Die vom SVR veröffentlichten Daten zeigen eine klare Linie: Seit 2014 steigen die Einbürgerungszahlen kontinuierlich und ab 2021 stammen große Teile des Zuwachses aus den Herkunftsländern der Geflüchteten. Syrische Staatsangehörige machen inzwischen einen erheblichen Anteil aller Einbürgerungen aus. Die interaktiven Grafiken des SVR zeigen detailliert, wie sich unterschiedliche Herkunftsgruppen entwickelt haben – ein wichtiges Werkzeug für alle, die im Migrationsrecht beraten oder Entscheidungen vorbereiten.


Die Zahlen sind nicht zufällig gestiegen oder gesunken. Mehrere Ereignisse hatten unmittelbare Auswirkungen:


  • Brexit: Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU führte ab 2016 zu einer Welle von Einbürgerungsanträgen britischer Staatsangehöriger. 2019 erreichte dieser Trend seinen Höhepunkt.

  • Corona-Pandemie: Die Pandemie sorgte für zeitweise geschlossene Staatsangehörigkeitsbehörden, umgeleitetes Personal und Verzögerungen in der Antragsbearbeitung

  • Erreichen der Mindestaufenthaltszeit ab 2021: Viele Geflüchtete aus dem Jahr 2015 konnten ab 2021 erstmals eingebürgert werden. Damit setzte eine neue Dynamik ein.

  • Reform des Staatsangehörigkeitsrechts 2024: Mit der Reform wurde das Einbürgerungsrecht erstmals seit Jahrzehnten umfassend modernisiert. Insbesondere wurde das vorher oft hinderliche Verbot der Mehrstaatigkeit abgeschafft.


Fazit Gründe für Anstieg Einbürgerungen

Die aktuellen Zahlen und Analysen des SVR machen deutlich: Der starke Anstieg der Einbürgerungen in Deutschland ist kein kurzfristiger Ausschlag, sondern Ausdruck eines langfristigen strukturellen Wandels. Geflüchtete, die seit 2014–2016 nach Deutschland gekommen sind, rücken zunehmend in den Fokus – nicht nur, weil sie die formalen Voraussetzungen erfüllen, sondern weil sie aktiv den Schritt in die deutsche Staatsangehörigkeit anstreben. Einbürgerung wird damit mehr denn je zu einem integralen Bestandteil gelungener Integration. Die Daten zeigen zugleich, wie eng migrationspolitische Entwicklungen – vom Brexit über die Corona-Pandemie bis zur Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes – mit realen Ausschlägen bei den Einbürgerungszahlen verknüpft sind. Für die Beratungspraxis bedeutet das: Einbürgerungen sollten nicht als isolierte Verwaltungsakte verstanden werden, sondern als Ergebnis langfristiger rechtlicher, gesellschaftlicher und individueller Entwicklungen. Die neue Dynamik eröffnet Chancen – für Antragstellende, für die Integrationspolitik und für eine moderne Migrationsgesellschaft, die Zugehörigkeit sichtbar macht und stärkt.

bottom of page