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#Behördenperspektive: Carsten Konzak (Ausländerbehörde Cottbus) sieht schlechte Personalführung als Kernproblem

Bahnhof Cottbus

In der Serie “Perspektive der Ausländerbehörde (#Behördenperspektive)” lassen wir die Ausländerbehörde zu Wort kommen. Denn oftmals herrscht im Migrationsrecht die Auffassung, dass Behörden rechtswidrig und fehlerhaft handeln aufgrund von persönlichen Motiven, rassistischen Vorurteilen oder schlecht wegen Willkür. In der Praxis kommen diese Fälle zwar durchaus vor, allerdings wird dabei oft übersehen, dass dies kein Strukturproblem sein muss und mit welchen Herausforderungen Ausländerbehörden zu kämpfen haben. Wenig Budget, Schwierigkeiten bei der Personalsuche, häufige Gesetzesänderungen und eine sehr widerstandsfähige Anwaltschaft erschweren den Ausländerbehörden ihre Tätigkeit immens. Die hieraus entstehenden Konflikte und Probleme müssen nicht zwingend immer in der Verantwortung der Ausländerbehörde liegen.


Mit der Serie “Perspektive der Ausländerbehörde” wollen wir die praktischen Herausforderungen des Verwaltungsrechts beleuchten, um so zur Konstruktivität des öffentlichen Diskurses beizutragen. In der dritten Folge der Reihe „Perspektive der Ausländerbehörde“ widmen wir uns in einer Rezension den zentralen Aussagen, die Carsten Konzak von der Stadt und Ausländerbehörde Cottbus im Podcast von Stephanie Tonn namens “Verwaltung wirkt” getroffen hat (Folge 3: “Führung ist Mannschaftssport”). Der Austausch zwischen beiden beleuchtet die tägliche Realität der deutschen Migrationsverwaltung und Ausländerbehörde in Cottbus – inklusive der Herausforderungen, strukturellen Defizite und Chancen, die insbesondere für internationale Fachkräfte und Unternehmen von höchster Relevanz sind. 


Qualität der Führung als zentrales Element von Ausländerbehörden

In einem ausführlichen Gespräch zwischen der Volljuristin Stephanie Tonn und Carsten Konzak, Fachbereichsleiter im Bürgerservice der Stadt Cottbus und damit verantwortlich für die Ausländerbehörde Cottbus sowie die Staatsangehörigkeitsbehörde, entsteht ein seltener Einblick in die internen Mechanismen kommunaler Migrationsverwaltung. Konzak, seit mehr als 21 Jahren in Führungsverantwortung, beschreibt in bemerkenswerter Offenheit, warum aus seiner Sicht Führung die zentrale Stellschraube für eine funktionierende, stabile und bürgerorientierte Ausländerbehörde ist.


Bereits zu Beginn verdeutlicht Konzak, dass die Dynamik in Ausländerbehörden rasant zugenommen hat – durch Flüchtlingskrisen, den Ukrainekrieg, komplexe Gesetzesreformen wie die zum neuen Staatsangehörigkeitsrecht sowie massive Antragssteigerungen. Genau in dieser Gemengelage entscheidet die Qualität der Führung darüber, ob Mitarbeiterstrukturen zusammenbrechen oder ob Verwaltung leistungsfähig bleibt.


#Behördenperspektive - Führung als Kernproblem und zugleich als wichtigste Lösung

Konzaks zentrale Diagnose lautet klar: Wenn Ausländerbehörden schlecht arbeiten, liegt es meistens nicht nur am Personal, sondern an schlechter oder fehlender Führung. Dort, wo Strukturen wanken, Krankenstände steigen, Fehler zunehmen oder Prozesse stagnieren, sei fast immer die Führungskraft der Ursprung der Probleme – „der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken“. Die Lösung, so Konzak, liegt in professioneller, empathischer und sichtbarer Führung, die Orientierung gibt, Klarheit schafft und Mitarbeiter entwickelt. Führungskräfte müssen nicht nur Prozesse steuern, sondern eine Kultur gestalten, die Vertrauen, Transparenz und Engagement ermöglicht.


Besonders prägend ist Konzaks Führungsprinzip: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist notwendig.“ In der Ausländerbehörde Cottbus bedeutet dies nicht Misstrauen, sondern eine strukturierte Form der Qualitätssicherung. Entscheidungen müssen rechtlich sauber sein, Prozesse müssen funktionieren, Gebühren korrekt erhoben werden und Mitarbeitende brauchen Rückkopplungen, damit sie sich sicher bewegen. Klarheit in der Kommunikation bezeichnet Konzak als eine der wichtigsten Eigenschaften von Führungskräften: Nur wer verständlich formuliert, setzt verlässliche Rahmenbedingungen. Unklarheit erzeugt Unsicherheit – und Unsicherheit führt in Behörden zu Fehlern, Vermeidungshaltungen und Überlastungsgefühlen. Umgekehrt erzeugt klare Kommunikation Verlässlichkeit, Struktur und Fachsicherheit.


Mitarbeiterbefragungen und Assessment Center bei der Ausländerbehörde Cottbus

Ein Qualitätsinstrument in der Ausländerbehörde Cottbus sind regelmäßig durchgeführte anonyme Mitarbeiterbefragungen, die alle zwei bis drei Jahre stattfinden. Sie werden genutzt, um Führungskräfte – einschließlich Konzak selbst – aus Sicht der Beschäftigten zu bewerten. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für Selbstreflexion, Weiterentwicklung und Coaching. Besonders interessant ist, dass auch differenzierte Kriterien wie „Akzeptiert andere Meinungen“ bewertet werden – ein Indikator dafür, wie dialogorientiert Führung tatsächlich gelebt wird.


Ein weiterer zentraler Punkt aus der Perspektive der Ausländerbehörde Cottbus ist die Frage, wie neue Führungskräfte ausgewählt werden. Statt bloßer Bewerbungsgespräche nutzt Cottbus strukturierte Assessment-Center-Verfahren, in denen realistische Rollenspiele, Teamaufgaben und Führungssituationen nachgestellt werden. So können sowohl Kommunikationsverhalten als auch Empathie, Konfliktfähigkeit und Entscheidungsstärke sichtbar werden. Das Ergebnis: Führungspositionen werden nur dann besetzt, wenn der Bewerber oder die Bewerberin die tatsächlichen Anforderungen nachweislich erfüllt.


Fazit Meinung Ausländerbehörde Cottbus

Das Gespräch macht deutlich: In Ausländerbehörden entscheiden weniger Personalstärke oder technische Ausstattung über gute Arbeit, sondern vor allem die Qualität der Führung. Die Perspektive aus der Ausländerbehörde Cottbus zeigt, dass professionelle Führungskräfteentwicklung, klare Standards, stabile Kommunikationsstrukturen und wertschätzende Präsenz wesentlich dazu beitragen, dass Verwaltung funktionieren kann. Konzak liefert damit einen wichtigen Beitrag zu einer oft unterbeleuchteten Debatte: Gute Führung ist kein „weiches Thema“, sondern das Fundament jeder funktionierenden Ausländerbehörde.


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