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#Behördenperspektive: Denise Gräfe von der Ausländerbehörde Dresden sieht fehlende technische Ausstattung als Kernproblem

Picture of the city of Dresden

In der Serie “Perspektive der Ausländerbehörde (#Behördenperspektive)” lassen wir die Ausländerbehörde zu Wort kommen. Denn oftmals herrscht im Migrationsrecht die Auffassung, dass Behörden rechtswidrig und fehlerhaft handeln aufgrund von persönlichen Motiven, rassistischen Vorurteilen oder schlecht wegen Willkür. In der Praxis kommen diese Fälle zwar durchaus vor, allerdings wird dabei oft übersehen, dass dies kein Strukturproblem sein muss und mit welchen Herausforderungen Ausländerbehörden zu kämpfen haben. Wenig Budget, Schwierigkeiten bei der Personalsuche, häufige Gesetzesänderungen und eine sehr widerstandsfähige Anwaltschaft erschweren den Ausländerbehörden ihre Tätigkeit immens. Die hieraus entstehenden Konflikte und Probleme müssen nicht zwingend immer in der Verantwortung der Ausländerbehörde liegen.


Mit der Serie “Perspektive der Ausländerbehörde” wollen wir die praktischen Herausforderungen des Verwaltungsrechts beleuchten, um so zur Konstruktivität des öffentlichen Diskurses beizutragen. In der zweiten Folge der Reihe „Perspektive der Ausländerbehörde“ widmen wir uns in einer Rezension den zentralen Aussagen, die Denise Gräfe, Abteilungsleiterin der Ausländer- und Staatsangehörigkeitsbehörde der Landeshauptstadt Dresden im Podcast von Stephanie Tonn namens “Verwaltung wirkt” getroffen hat (Folge 2: “Ständig unter Strom”). Der Austausch zwischen beiden beleuchtet die tägliche Realität der deutschen Migrationsverwaltung und Ausländerbehörde in Dresden – inklusive der Herausforderungen, strukturellen Defizite und Chancen, die insbesondere für internationale Fachkräfte und Unternehmen von höchster Relevanz sind. 


Zentrale Herausforderungen der Ausländerbehörde Dresden

Stephanie Tonn, Volljuristin und Expertin des behördlichen Ausländerrechts, spricht in ihrem Podcast „Verwaltung wirkt“ in Folge 2 mit Denise Gräfe, Leiterin der Ausländer- und Staatsangehörigkeitsbehörde Dresden. Frau Gräfe ist bei der Ausländerbehörde Dresden verantwortlich für rund 144 Mitarbeitende und sämtliche aufenthalts- und staatsangehörigkeitsrechtlichen Entscheidungen der Landeshauptstadt. Das Gespräch bietet einen tiefen Einblick in die Funktionsweise der Ausländerbehörde Dresden, die Verzahnung mit der Staatsangehörigkeitsbehörde Dresden, Personalführung, Fachkräftemangel, Digitalisierungslücken, die Bedeutung guter Teamarbeit und die Frage, wie eine moderne Willkommensbehörde aussehen müsste. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Digitalisierung als Kernproblem, weil fehlende Technik, nicht funktionierende Schnittstellen und das Fehlen einer digitalen Akte in der Praxis enorme Ressourcen binden und Bearbeitungszeiten verlängern.


#Behördenperspektive - Fehlende Digitalisierung bei Ausländerbehörde Dresden als Kernproblem

Der zentrale strukturelle Missstand, den Gräfe hervorhebt, betrifft die technische Infrastruktur. Die Stadt Dresden verfügt im Bereich Ausländer- und Staatsangehörigkeitsbehörde über keine digitale Akte, obwohl diese in vielen Kommunen längst Standard ist. Die Folgen beschreibt sie plastisch: Akten müssen physisch gesucht, transportiert und archiviert werden; Schnittstellen funktionieren nicht zuverlässig; Sicherheitsabfragen laufen fehlerhaft; digitale Antragswege können technisch nicht verarbeitet werden; und generell fehlt es an einer modernen IT-Struktur, die Behördenarbeit beschleunigt und Fehlerquoten senkt. Besonders kritisch sei, dass die vorhandenen IT-Ressourcen nicht ausreichen, um neue Systeme zu betreuen. Eine technische Modernisierung scheitere bisher an fehlenden finanziellen Mitteln und unbesetzten IT-Stellen.


Gräfe formuliert deutlich, dass ohne digitale Akte und funktionierende Fachverfahren eine moderne Migrationsverwaltung nicht realisierbar ist. Digitalisierung sei kein „Nice-to-have“, sondern die zwingende Grundlage für Effizienz, Bürgerfreundlichkeit und Rechtsklarheit. Automatisierte Workflows, digitale Übermittlungen und einheitliche Datenstrukturen würden Ressourcen freisetzen, die heute vollständig im Papierprozess gebunden sind. Die Abteilungsleiterin macht klar: Eine leistungsfähige Ausländerbehörde kann nur bestehen, wenn digitale Infrastruktur aufgebaut und dauerhaft technisch betreut wird.


Fachkräftemangel und strukturelle Belastungen Ausländerbehörde Dresden

Neben den technischen Defiziten schildert Gräfe die angespannte Personalsituation bei den Ausländerbehörden. Trotz steigenden Bedarfs und wachsender Aufgaben gelte für die gesamte Stadtverwaltung ein Sparkurs. Die Ausländerbehörde Dresden sei zwar von zusätzlichen Kürzungen ausgenommen, könne aber kaum neues Personal aufbauen. Viele Stellen seien befristet, Einarbeitungszeiten lang, und das Arbeitsvolumen übersteige bereits jetzt die personelle Kapazität. Hinzu komme, dass Projekte wie die Großansiedlung des Halbleiterproduzenten TSMC hunderte internationale Fachkräfte nach Dresden bringen – was die Ausländerbehörde bei gleichbleibenden Ressourcen bewältigen müsse. Diese Entwicklung verschärft die ohnehin hohe Arbeitslast erheblich.


Gräfe erklärt, dass Mitarbeitende der Ausländerbehörde in Terminen meist nur 15 bis 30 Minuten Zeit haben – zu wenig, um über weitergehende Themen wie Niederlassung oder Einbürgerung umfassend zu beraten. Die hohen Anforderungen des Aufenthaltsrechts und die noch komplexeren Anforderungen des Staatsangehörigkeitsrechts machen es unmöglich, ohne zusätzliche Ressourcen tiefgehende Hinweise zu geben. Zwar sei eine Sensibilisierung der Mitarbeitenden wichtig, doch verhinderten die strukturellen Engpässe eine umfassende Beratungspraxis. Hinzu kommt, dass Spezialisierung notwendig ist, weil die Komplexität des Rechtsgebiets Allround-Wissen kaum noch erlaubt.


Fazit Meinung Ausländerbehörde Dresden

Das Gespräch macht deutlich, dass die strukturellen Herausforderungen der Ausländerbehörde Dresden exemplarisch für viele deutsche Ausländerbehörden stehen. Fehlende Digitalisierung, angespannte Ressourcen, komplexe Rechtsanwendungen und hohe gesellschaftliche Erwartungen treffen auf engagierte Mitarbeitende, die ihre Aufgaben mit hoher Verantwortung erfüllen. Die wichtigste Erkenntnis lautet: Ein leistungsfähiges Migrationsverwaltungssystem ist ohne digitale Modernisierung nicht denkbar. Digitalisierung ist die zentrale Stellschraube für Geschwindigkeit, Transparenz, Effizienz und Bürgerfreundlichkeit. Die Perspektive der Ausländerbehörde Dresden zeigt klar, dass Deutschland an dieser Stelle erheblichen Nachholbedarf hat – und dass die Zukunftsfähigkeit der Migrationsverwaltung maßgeblich davon abhängt, ob dieser Modernisierungsschub gelingt.


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