Corporate Immigration Lawyers (CILG) veröffentlicht Stellungnahme zur Work-and-Stay-Agentur
- Isabelle Manoli

- vor 22 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Deutschland steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Um das Erwerbspersonenpotenzial stabil zu halten, ist eine Nettozuwanderung von jährlich bis zu 368.000 Arbeitskräften aus Drittstaaten erforderlich. Doch die Realität in den Behörden spricht eine andere Sprache. Als Anwaltskanzlei für Visumsrecht beobachten wir täglich, wie hochqualifizierte Talente und engagierte Arbeitgeber an einem System verzweifeln, das die wirtschaftliche Dynamik eher bremst als fördert. In diesem Kontext hat der Verein Corporate Immigration Lawyers Germany (CILG) – ein Zusammenschluss führender Experten, die jährlich eine fünfstellige Anzahl an Fällen betreuen – nun eine wegweisende Stellungnahme zur geplanten Work-and-Stay-Agentur (WSA) abgegeben. Wir berichten heute über diesen Entwurf, der nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in der deutschen Migrationsverwaltung fordert.
Diagnose eines Systemversagens: Warum "Stückwerk" nicht mehr reicht
Die Experten des CILG lassen in ihrem Entwurf keinen Zweifel daran, dass die derzeitige Verwaltung an ihre Grenzen gestoßen ist. Rund 550 kommunale Ausländerbehörden agieren als "Flaschenhals" der Migrationspolitik. Besonders besorgniserregend ist die Feststellung, dass trotz zahlreicher Gesetzesreformen wie dem FEG 2.0 die grundlegenden Behördenstrukturen seit 2004 kaum verändert wurden. Wir sehen in unserer Praxis genau das, was die CILG kritisiert: eine "Dysfunktionalität der Verwaltung", bei der selbst einfache Rechtsfragen je nach Postleitzahl unterschiedlich entschieden werden. Ein prominentes Beispiel aus der Stellungnahme ist die Auslegung der qualifikationsangemessenen Beschäftigung bei der Blauen Karte EU gemäß § 18g Abs. 1 AufenthG, die von Inlandsbehörden oft restriktiver gehandhabt wird als von Auslandsvertretungen, was zu massiven Unsicherheiten für Antragsteller führt.
Die WSA-Optionen im Experten-Check: Von unzureichend bis vorzugswürdig
Der CILG-Entwurf bewertet die von der Bundesregierung diskutierten Modelle mit einer klaren fachlichen Kante. Die sogenannte Option 1, ein reiner digitaler Rollout bei Verbleib der Zuständigkeit in den Kommunen, wird als "ungeeignet zur Zielerreichung" abgestraft. Die Experten warnen davor, dass technische Lösungen allein die strukturellen Defizite wie Personalmangel und mangelnde Serviceorientierung vor Ort nur kaschieren, aber nicht lösen.
Deutlich positiver wird die Option 4 bewertet, die eine vollständige Zentralisierung der Zuständigkeit für befristete Aufenthaltstitel beim Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten (BfAA) vorsieht. Diese Bündelung würde Synergieeffekte schaffen, da Informationen aus dem Visumverfahren nahtlos für Inlandsentscheidungen genutzt werden könnten. Wir unterstützen diese Sichtweise, da nur eine zentrale Stelle eine kohärente Rechtsanwendung garantieren kann, die den Anforderungen eines modernen Wirtschaftsstandorts entspricht.
Das Sponsorpass-Modell: Ein innovativer "Mittelweg"
Besonders spannend finden wir den im Entwurf enthaltenen Alternativvorschlag eines Sponsorpass-Modells. Hierbei würde die WSA einen neuen administrativen Pfad neben den bestehenden Strukturen schaffen. Arbeitgeber könnten als "Sponsoren" gegen eine international übliche Gebühr (etwa 500 bis 5.000 Euro) ein beschleunigtes und rechtssicheres Verfahren für ihre Fachkräfte beantragen. Dieses Modell besticht durch einen Perspektivenwechsel: Die WSA fungiert als staatlicher Dienstleister für die Wirtschaft. Es entlastet nicht nur die Kommunen, sondern bietet Unternehmen die dringend benötigte Planungssicherheit. Zudem adressiert es die fiskalischen Herausforderungen, da sich die Migration durch die Gebührenbeteiligung der Wirtschaft verwaltungsökonomisch rentabel gestalten ließe. Wir halten diesen Ansatz für realpolitisch äußerst tragfähig, da er föderale Konflikte minimiert und gleichzeitig eine Skalierung der Zuwanderungszahlen ermöglicht.
Fazit
Die Stellungnahme der Corporate Immigration Lawyers Germany macht deutlich, dass die Einführung der WSA eine historische Chance ist, die jedoch Mut zur Strukturreform erfordert. Ein bloßes "Zementieren einer erodierten Basis" durch oberflächliche Digitalisierung wird scheitern. Wir schließen uns der Empfehlung an, auf Modelle zu setzen, die echte Zentralisierung und eine stärkere Einbindung der Arbeitgeber ermöglichen – sei es durch die Vollzentralisierung in Option 4 oder das flexible Sponsorpass-Modell. Nur so kann Deutschland im globalen Wettbewerb um Talente bestehen.
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